SoSue

Mädels fürs Leben

Psych To Go, LebenStefanie Wilke

Der Philosoph und Mystiker Osho hat einmal gesagt, die höchste Form der Liebe sei die Freundschaft. Ich traf Sue vor fast einem viertel Jahrhundert in Cannes. Es waren Filmfestspiele und wir hatten allerhöchste Erwartungen an die Filmkunst, die Akteure - und selbstverständlich an uns selbst. Wir verliehen uns das Prädikat „Journalisten“ und heute kann ich mit amüsiertem Lächeln sagen: „You know nothing, Jon Snow!“

Aber wir hatten unerschöpflichen Elan, Chuzpe und wahnsinnig viel Spaß: mit Udo Kier, mit Thomas Kretschmann (hot hot hot!) und Hugh Grant im Hotel Eden Rock. Die Welt-Premiere von „The Adventures of Priscilla, Queen of the Desert“ mit dem grandiosen Terence Stamp versetze uns in Euphorie und wir tanzten in Endlos-Schlaufen zu „Finally“ von Ce Ce Peniston. Sue kaufte sich an der Croisette ein hautenges Gucci-Kleid, das sie noch heute aufbewahrt, denn bei Sue kommt kein Fummel unter die Räder.

Wenige Monate später interviewten wir gemeinsam für Max-TV im Hotel Atlantik die Newcomerin Sandra Bullock die für die Promotion von „Speed“ angereist war. Da saßen wir nun, drei Grazien in der vornehmen Suite, und das Interview bestand aus einem stringenten Giggle-Salat. Das Material war nicht sendefähig, stattdessen bekamen wir von „awesome Sandy“ eine Einladung nach L.A. – so in etwa ging es munter weiter.

L.A. by night

L.A. by night

Als ich meinen Freund verließ, um mit einem Kameramann nach Bukarest und später nach L.A. durchzubrennen, wurde Sue mein Hafen in Hamburg. Vielmehr ihre Wohnung in Flughafennähe, in der ich ein kleines Zimmer bezog. Das Zimmer von Sue bestand bereits damals aus sechs Metern Kleiderstange, die bis zum Anschlag mit Bügeln gefüllt war. Das Gros der Klamotten stammte von ihren Streifzügen durch Second Hand Läden. Wir hatten wenig im Kühlschrank aber immer etwas Tolles zum Anziehen und mehr oder weniger platonische Herrenbesuche. Wir hörten Madonna und Bob Dylan, saßen in CK-Obsession-Wolken und führten pseudointellektuelle Gespräche. Ein geteilter Haschisch-Keks vor einem Van Morrison-Konzert im Stadtpark ist noch heute das buchstäbliche Highlight unserer wilden Streifzüge, denn Sue behauptet felsenfest, wir hätten Chris Isaak gehört. Sue trug damals grundsätzlich High Heels und ihr Style changierte zwischen Inspiration und Provokation. Heute würde man It-Girl zu ihr sagen, wir pfiffen jedoch auf Attribute, das Selfie war noch nicht erfunden, wir lasen Vanity Fair, die britische Vogue und Movieline im Original, besuchten die Pressevorführungen des legendären Klaas Ackermann im Streits und ich durfte bei der Gründung von AMICA mitmischen. Sue blieb der Mode verbunden und heiratete kurze Zeit später Gordon. Ich heiratete meinen Ex-Freund und Sue schuckelte auf unserer Hochzeitsparty auf Sylt  in der Bambus Bar den Kinderwagen meiner ersten Tochter Greta. „Du warst eine schreckliche Glucke!“, sagt Sue immer wieder gern und ungefragt. Das ist jetzt knapp 20 Jahre her. Ich hielt zu ihrem 30. Geburtstag eine Rede, von der sie noch heute schwärmt, auch weil ich sie nicht schonte. Sue möchte auch, das ich irgendwann ihre Grabrede halte, sie hat nämlich manchmal sehr sentimentale Anfälle. Ich versichere ihr dann stets, dass ich vorher noch unzählige Texte verfassen werde.

Das ist auch einer der Gründe,  warum ich bei SoSue mit an Bord bin, es ist fühlbar inspirierend und meistens amüsant in Sues Nähe zu sein. Sie ist eine wahre Freundin, denn man kann ihr die Meinung geigen und sie nimmt es sportlich. Sie ist ein Mensch, der nie aufhört neugierig zu sein, sie will lernen, über sich, die Menschen, die tiefen Fragen des Lebens. Für Sue ist Mode mehr als eine gefüllte Kleiderstange. Sie ist eine umsichtige und geschickte Netzwerkerin und hat ein Händchen „to get the right people on the bus“.

Man folgt ihr in die Tiefen eines Kleiderschranks genauso wie in die Abgründe menschlicher Dramen. Dann wird geweint, gelacht, etwas Hübsches angezogen und weiter gemacht.

Ich wünsche jedem Menschen eine Hand voll Freunde, fünf Freunde, wie bei den Abenteuern von Enid Blyton. Für die großen und die kleinen Abenteuer des Lebens. Mögen wir immer die Kraft haben, für unsere Freunde im richtigen Moment da zu sein. Um in schönen Kleidern wild zu tanzen, die Pubertät unserer Kinder zu überstehen, große Lieben loszulassen, Trost zu spenden und Frauen  wie Männer zu treffen, denen wir aufmerksam zuhören und die wir gern fest in den Arm nehmen.

Zu unserem SoSUE Shop gelangt ihr hier.

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