SoSue

Kenzo feiert uns Raubkatzen

Fashion, Trends, UnterwegsJulia Malik
Foto by Marie- Louise Berg

Foto by Marie- Louise Berg

Kurz nach Halloween also die nächste Verkleidungsparty. Ich konstatiere: Verkleiden macht gute Laune.

Immer wenn es kalt wird oder unser ewiger November dräut und eigentlich die Wintersachen schon zwei Monate in den Läden sind und die Vorfreude auf sie verflogen ist, wenn auch die schönen neuen Wintersachen schon zweimal in die Reinigung gebracht wurden und hoffentlich auch endlich wieder abgeholt, also wenn die Septemberausgaben für Textilien schon ein bisschen verschmerzt sind und man wieder ein ganz ganz kleines Finanz-und Aufmerksamkeitsfenster öffnen kann, lässt H&M es so richtig krachen. Doch, ja, finde ich. Weil diese Kollaborationen mit Designern sind doch eine ziemlich großartige Sache, für alle Beteiligten, für H&M, für die Designer und natürlich als allerersten für die Kunden, die sich ja doch die Fingerchen lecken, so viele tolle Anziehsachen (Anziehsachen kann man doch seit der Vetements-Hysterie mehr denn je wieder sagen, oder?) für so wenig Geld! Also ein feiner Tausch, ist da sofort meine Empfindung und H&M hat da so einiges aufgeholt für mein persönliches Markengefühl.

Foto: by Anna Daki

Foto: by Anna Daki

Natürlich nur, wenn das Versprechen hält, was es verspricht, und das kann ich kein bisschen bezweifeln, ich habe die ganze Kollektion vorher im Showroom schon ordentlich beschnuppert und bin in alles hineingeschlüpft, was bei drei immer noch an den Stangen hing, ach, das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen! Also ich fand schon in meiner Showroom-Ruhe, die Kollektion sei wunderschön, meiner Sehnsucht, ein Tier zu sein, sehr entsprechend. Also Raubkatzenprints und Tigerköpfe und Tropenvögel-Volants, sehr viel zarte Seide und auch angenehme Sweatshirts, tolle Knöpfe und Qualität, alles super für lange Beutezüge in Wäldern und Clubs, weich zum Abhängen mit unbestimmbarem Ende, und schön für Nachtphantasien, also für Nächte, die noch nicht wissen, wo sie hinführen. Bomberjacken mit vielen Taschen sind ganz toll, dann kann man die Handtasche gleich mal zu Hause vergessen anstatt in der Bar. Übrigens aus den gleichen Gründen auch alles großartig für die Spielplätze dieser Welt, auf Tigerprints sind auch Schokoladeneisflecken nicht schlimm und auf dem waschbaren Steppdeckenkimono zum Wenden sehe ich mich schon spontane Picknicke zelebrieren. 

Foto: by Anna Daki

Foto: by Anna Daki

Erfüllt also wirklich alle Berliner Ansprüche – Nachtleben, Spielplätze und sehr viel Abhängen, bei allen anderen Anlässen kann man auch den zweiten Hauptprint der Kollektion tragen, schwarzmit so einer Art Edelsteingrafik drauf. Toll als Pyjama. Ganz toll. Habe ich mir dann auch tatsächlich gekauft, aber zu diesen Banalitäten später. Obwohl, halt, ist Mode kaufen denn banal? Nur weil man es anzieht und nicht liest? Aber man schau es doch auch an? Hm. Dazu ein andermal vielleicht!

 Jetzt mal zu gestern, sonst sitzen wir an Weihnachten noch hier! Alle Gäste sahen sehr toll aus und hatten ob ihrer Chuzpe, so viel Straße zu tragen, mit Farben und Mustern um sich zu werfen und alle irgendwie textil verwandt zu sein einen höhergedrehten Launen-Pegel. Oder war man so fröhlich wegen des Waldes im Haus? Also das Draußen Drinnen? Dann kommt wohl das eigene Drinnen leichter raus!  Wenn so viele Menschen verschiedene Outfits einer Kollektion tragen, hat das durchaus etwas Verbindendes und immer entdeckt man andere Elemente dieser Kollektion, das ist sehr schön.  Große Rüschen gibt es auch. Und keine riesigen Schleifen auf Baseballkappen gibt es nicht! Also mehr ist mehr, Schleifen auf Baseballkappen und herrliche Socken in für mich noch nie geträumten Mustern, und ich träume viel und gründlich von Strumpfmustern.

Kenzo und H&M: WE LIKE!

Kenzo und H&M: WE LIKE!

  In der Mitte dieses botanischen Tigergartens in den Kunstwerken in der Auguststraße natürlich ganz klar der Markt, die Beute, wir sind ja nicht zum Vergnügen hier, Kleiderstangen zum Draufstürzen nach Anpfiff, das macht ja auch den Reiz der Party aus, Tanzen und Beute abchecken und dann Jagen, oder? Ha, der moderne Mensch als Tänzer und Raubtier, sehr schön. Und hinter der anfangs noch umzäunten Ware als Altar die fast tanzende Installation des Fotografen Jean-Paul Goude, und dann wurden wir von den Extracoolen der Coolen, den vier Hosts des Abends an die Schwelle des Tanzens herangeführt. Unsere Gastgeber trugen auch sehr schöne Kleider. Mein absolutes Lieblingskleid der Kooperation ist ja das bombastische Tigerfolklorekleid mit den Riesenvolants. Eigentlich müsste man DRESS sagen! Absolut traumhaft, pathetisch und cool, also perfekt für Wana Werner Limar.  Herr Chriss Glass war krass gut angezogen, oh je, jetzt muss ich so neuköllnmässig reden, ja, die Kollektion verjüngt mich sofort zwanzig Jahre, krass, bombig, geil, was geht ab, also er sah echt bombig gut aus in einem grünen Tigeroverall. Verschämt zwar mit schwarzer Bomberjacke drüber, aber das war auch ganz schön. Kira Stachowitsch, die das tolle Indie Magazin macht, hatte das kurze wunderschöne Nachtlebenfolklorekleid an, bestickt, bemalt, mit einer gefühlt siebenstimmigen Musterkomposition und vor allem ganz tollen langen Logolederhandschuhen dazu.  Riccardo Simonetti hatte sicher auch etwas an, aber ich habe nur seine Haare anschauen können, so schön und musste mir historische Filme ausdenken für diese Haare. 

Die Co- Hosts: Herr Glass, Wann Limar, Riccardo Simonetti und Kira Stachowitsch

Die Co- Hosts: Herr Glass, Wann Limar, Riccardo Simonetti und Kira Stachowitsch

Aber das Band wird zerschnitten, die Ware befreit, man lässt irgendwann auch den Champagner stehen und schnüffelt ganz zaghaft zwischen den Kleiderständern herum, hm, ich will doch gar nichts haben, echt nicht, ich hab schon was zum Anziehen zu Hause, nur mal angucken! Aber wie soll man nicht alles kaufen, während uns die am Pult mit ihren DJ-Komplizen Wachheit und Beweglichkeit einhauchen. Das ist schwierig, nein, ich glaube, es ist unmöglich, hielt nicht hinterher jeder irgendein Tütchen hinter seinem Rücken versteckt? Diese Kleidung singt zu sehr das Zieh-mich-an-Lied, „Komm, sei Teil einer Jugendbewegung!“ Und weil wir das auch alle sein wollten, griffen wir auch mutig zu, ein weißes Sweatshirt hier und ein „Schau, der alte Balenciagaschnitt“(Dawid Tomaszewski) Blumenkleid auf grünem Gitter da, erstaunlich, wie viele Hände einem in solchen Situationen gewachsen sind! Irgendwann half nur noch die Flucht an die Bar oder die Tanzfläche, sei Teil des Dschungels, für mich ein großes Versprechen, seit ich als Kind im „Dschungelbuch“ als Weihnachtsmärchen war und die Bühnendschungelwelt mir weitaus verheißungsvoller vorkam als meine Schulklasse und ich. 

Die beiden Kenzo Kreativchefs Carol Lim und Humberto Leon, die ja vor Kenzo schon mit Opening Ceremony ein New Yorker Superding gebaut haben, sie haben hier ein explosives buntes Ei gelegt, das die Empfindungen und Verführungen der Hitze und Musik einer tollen Partynacht in Stoff brennt. 

Am nächsten Morgen war ich immer noch euphorisiert, als ich den Seidenpyjama aus der Tüte zog und endlich einmal das lange grossspurige reifröckige Kleid anzog, es ist auch im Morgenlicht sehr schön. Für den Schul-und Kindergartenweg mit den Kindern habe ich dann aber doch einen Trenchcoat und eine kleine schwarze Tasche angezogen, nur mal so als Abwechslung,  ist schlicht ja auch schön! Darf man halt nicht übertreiben!

Hier findet Ihr die aktuelle H&M Kenzo Kollektion. Viel Spaß!

Hier geht´s zu unserem SoSUE Shop.

 

Fotos by Anna Daki

Fotos by Anna Daki

Follow Paperblog Blogverzeichnis TopBlogs.de das Original - Blogverzeichnis | Blog Top Liste Blogverzeichnis - Bloggerei.de