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Greys Anatomy

Psych To Go, LebenStefanie Wilke
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Seit mehr als zwei Jahren zeige ich meine grauen Haare. Es wäre eine glatte Lüge zu behaupten, ich hätte mich durchweg wohl damit gefühlt. Ich fühle mich jung für meine 52 Jahre; und manchmal erschrecke ich noch selbst über die Veränderung.

Mein Frisör verstand sofort was ich meinte, als ich ihm erzählte, dies sei die erste Frisur in meinem Leben, die meiner aktuellen Selbstwahrnehmung einige Entwicklungsschritte voraus sei.

Ich hatte meine grauen Haare über 15 Jahre lang mittelbraun gefärbt. Alle vier Wochen wurde er sichtbar, der silberne Balken am Haaransatz – Lametta-Termin nannte ich das Nachfärben. Plötzlich war ich es leid. Die Neugierde packte mich: Wie würde ich als Frau mit grauen Haaren aussehen? Älter oder alt? Davor hatte ich Angst. Es schmeichelte mir, von Menschen jünger geschätzt zu werden. War ich eitel? Aber klar.

Warum ich dann schließlich den Versuch wagte, war die Schwelle meines 50. Geburtstages. Drei Monate lang dauerte das Rauswachsen des Silber-Balkens und ich sah vollkommen bescheuert aus. Je nach Tagesform, tapfer bis amüsiert, hielt ich die kritischen Blicke meiner Mitmenschen aus und hätte gern Info-Blätter verteilt: „Ja, ich weiß, ich müsste zum Frisör, dies ist ein Projekt, keine Kunst, vielmehr eine Metamorphose. Ich bitte um Geduld.“ Dann endlich rückte der Frisör-Termin näher und ich rechnete damit, nach dem Schneiden wie eine Oma auszusehen. Es kam anders. Ich fühlte mich cool. Nicht alt, nicht jung, nur cool. Ein Wort das ich eigentlich vermeide, was in diesem Fall jedoch nicht durch ein anderes zu ersetzen ist. Meine Schwester bekam einen Schreck als sie mich das erste Mal so sah, du siehst aus wie unser Vater, sagte sie. Meine Töchter, zwei von Natur aus kritische Geschöpfe, waren begeistert. Mein Freund war hingerissen und ich zunächst euphorisch. Aber dann.

Das Leben mit grauem Schopf verläuft nicht ohne Blessuren. Ich bin Teil einer Kultur von Selbstoptimierern und Rückwärtszählern. 50 ist das neue 40. Es tut weh, älter zu werden. Es tut weh, als schöne Frau die Schönheit nach Innen zu holen. Es tut weh, wenn beim Sex nicht mehr die Sonne ins Fenster scheinen soll. Diese Botschaft trage ich sichtbar auf dem Kopf und die Reaktionen sind interessant. Offen positiv und offensiv negativ. Oft schenken sie Einblicke in die Stärken und Schwächen der Anderen. Aber immer erzählen sie, dass wir uns eine viel längere Spanne des Lebens mit dem Welken statt mit der Blüte beschäftigen. Erwachsen jung ist man von etwa 15 bis 35 Jahren, zwanzig Jahre also. Dann beginnt in unserer Kultur bereits das Beäugen der Straffheit, die Jugend wird zum Wahn und schickt uns auf eine kulturelle Reise mit vielen Stationen. Mit Mitte vierzig lässt die Rushhour des Lebens nach und wir ziehen Bilanz und man ist für diesen Abschnitt besser ausgerüstet, wenn sich zu den Äußerlichkeiten ein paar Innerlich-keiten gesellen. Jetzt dürfen wir uns bewusst dafür entscheiden, dass das Leben wild und schön bleibt. Es ist eine Schwelle mit zahlreichen Fugen.

Ich verfolge einen Plan, der mir hilft den Übergang in die Reife einigermaßen lässig zu überstehen. Ich lasse meine grauen Haare nun von raspelkurz zu einem Zopf wachsen. Ich bleibe neugierig und rebellisch. Die großartige Schauspielerin Anjelica Huston sagt, man solle seinen Körper so sorgsam wie ein teures Auto warten. Aber nicht vergessen, es auch zu fahren.

Grey is beautiful- und das Schöne ist, es passen fast alle Farben dazu. Super schön für den Herbst: Monochrome Look a la Sara Harris von der Vogue UK.      

In unserem SoSUE Shop findet ihr viele schöne Artikel im Grauton.                                                               

 

Vogue UK

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Sarah Harris Vogue UK

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