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New York im Super Sale - Faites vos Jeux!

Fashion, TravelSue Giers
Saks Fifth Avenue

Meine Freundin, die Schmuckdesignerin Gabriele Frantzen, gab mir für NY den Tipp, mich doch unbedingt am 2. Weihnachtstag morgens um 8 Uhr mit einem Kaffee in der Hand bei Saks in die Warteschlange zu stellen. Denn dann ist Super Sale und bis 12 Uhr gibt es nochmal 50 % auf die schon mit 70% ausgewiesenen Teile. OMG – soll ich das wirklich machen und kostbare New York-Zeit verplempern? Unter Hochdruck Sachen kaufen, die ich eh nicht brauche? Mich verführen lassen von der Shopping - Hysterie nur um ein Loch in mein Portemonnaie zu brennen?

Die Neugier war stärker – auch das Gefühl, etwas zu verpassen, war nicht ganz unbeteiligt. Gibt es wirklich so einen Ansturm? Am 2. Weihnachtstag bleibt man doch normalerweise zu Hause, spielt „Mensch ärgere Dich nicht“ oder „Monopoly“ und zankt sich mit der lieben Familie.... Also gut, dann eben Frühstück bei Saks off Fifth Avenue anstelle Spieleabend im Hotel.

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Schon kurz nach 8 (dem Jetlag sei Dank) rauschte ich in die heiligen Hallen des opulent geschmückten Luxuskaufhauses. Zum Glück war der erste Andrang schon durch und im Kosmetikdepartement herrschte eigentlich ein ganz normaler Betrieb. Ich hörte Gabrieles Stimme sagen: „Geh nicht als erstes zu den Schuhen – das hält so lange auf und ist chaotisch“....also nicht über Los, sondern gleich ins Gefängnis zu den Top Designern! Im 5. Stock erwartete mich ein Spielbrett der besonderen Art: Die Designerware eng zusammengepfercht in der Mitte des Flures auf kilometerlangen Stangen: Die Figuren also perfekt aufgebockt (alles fein säuberlich nach Marken geordnet) und die Spieler (Kundinnen) brav in der Pool Position davor und daneben. Ich ergatterte mir einen Platz vor Celine und fing eben an mich Bügel um Bügel vorzuschieben, da passierte es! Eine erste Adrenalinwelle erfasste mich, als ich ihn erspähte...Ihn? Ihn, das ist ein sonnengelben Rolli (100 Prozent Polyacryl) – der war doch eigentlich schon Anfang der Saison komplett ausverkauft!“ – schrie ich ganz entzückt und rückte sofort vor in die Umkleidekabine. Oh jeh, der passt auch noch und schmiegt sich perfekt an meinen Oberkörper. Das ist doch ein Zeichen, dass er zu mir will, oder? Genau wie die Parkallee und die Wasserwerke – die bekomme ich auch immer beim Monopoly! Ich verhandele mit Diandra (meiner Spielführerin) und Top Senior Verkäuferin bei Saks und flötete, dass ich das gute Stück nehme, wenn sie es schafft mir den Preis auszurechnen (Prozentrechnung war nämlich noch nie meine Stärke!) Allerdings müsste ich noch einen kleinen Abstecher über Los...ähm die Schuhabteilung im 7. Stock machen, um dann eventuell den ganz großen Gewinn einzufahren...gesagt getan.

 

Den Elevator links liegend lassen (der ist eh schon lange ausgeschieden und hat Punktgenau um 8:23 Uhr seinen Geist aufgegeben) benutze ich die Rolltreppe. Eine Rolltreppe symbolisiert für mich eindeutig: „Ich bin in einem Kaufhaus!“. Da kann das Design (siehe Rem Kohlhaas für KaDeWe) noch so modern sein! Zum Glück sind diese hier nicht aus dem Eröffnungsjahr 1867 – sondern nur unwesentlich schneller und vordrängeln (sprich Schummeln) geht leider gar nicht. In der Schuhabteilung sieht es aus, als hätte Jemand ein ganzes Brettspielumgeworfen. Das reinste Chaos und mehr Spieler(Kunden) auf dem Feld als Symbole (Schuhe). Die Schuhregale leergefegt und alle Sofas besetzt. Dazwischen Verkäufer mit Pyramidengestapelten Schuhkartons und genervte Ehemänner, die schachmatt in die Ecke geschoben worden.

 Ehemann setzt aus

Ehemann setzt aus

 

Für eine Sekunde genieße ich die distanzierte Draufsicht auf das Schuh-Wimmelbild...bis mir ein paar Gucci Mules in die Hände fallen. Und das auch noch in meiner Größe! Wenn das nicht so etwas ist wie ein Sechser im Lotto ist und erkämpfe mir einen Platz auf dem Sofa. Wie Aschenputtel schlüpfte ich in den Schuh und schon wieder spüre ich mein Herz wild klopfen und dass alles schon vor dem ersten Kaffee! Ich merke richtig, wie mein Verstand aussetzt und meine Synapsen im Gehirn sich auf den Übersprung vorbereiteten. Gleich habe ich alle 6 – Saks Spielfiguren im sicheren Gehege und keiner kann mich mehr rausschmeißen (...) rasch noch mal runter und prüfen, ob der Kratzepulli noch auf mich wartet. Ich bin jetzt hellwach und verschmelze mit den 1.750 Spielsüchtigen Christmas-Shoppern an diesem doch eigentlich so besinnlichen Weihnachtsmorgen. Das Neuro-Marketing hat auch bei mir erfolgreich zugeschlagen und noch vor High Noon habe ich einen Pasch 6 Gewürfelt und mein Konto um einige Hundert Dollar erleichtert. An der Kasse entdecke ich noch eine XXL-Kleiderstange mit lauter Goodies drauf. Instinktiv greife ich nach einem „ugly christmas sweater“ von Valentino, nur um Sekunden später aus dem Feld geschmissen zu werden: Eine sehr zurechtgezupfte Park Avenue Prinzessin wies mich in die Shoppingschranke. Das wären alles ihre Sachen! Mir viel vor lauter Schreck die Kinnlade runter und natürlich wolle sie die Sachen nicht mitnehmen: “please ship to my home“ zirpt sie im freundlichen Ton, den man nur mit Bediensteten anschlägt. Ja, na klar, wer will auch schon mit 10 vollen Tüten die Fifth Avenue herunterstaksen! Und plötzlich wird mir ganz schlecht – ich habe einfach viel zu viel genascht bei diesem Klamotten-Schuh-Kassen Spiel und mein Belohnungsmechanismus hört ganz kurzfristig auf zu wirken. Vielmehr meldet sich mein Verstand zurück (oder ist es die Stimme meiner mittleren Tochter?) und meldet mir, dass mehr Schuhe, als ich tragen kann, zu Hause auf mich warten....und die schon alle sehr traurig sind, weil ich eh immer nur die gleichen Airforce 1 Sneaker in hellblau (eine Sonderedition) trage.

Gut dann nur den Rolli. Der muss aber sein – so ein sonnengelb macht doch gleich gute Laune. Mit meinem Gewinner-Gelb rücke ich an die Kasse vor und reiche Diandra demonstrativ nur ein Teil über die (Kassen) Theke. Draußen vor der Tür stehen die nächsten 200 Spieler und ich bin froh und wirklich happy über meinen Gewinn. Jetzt aber bitte erst mal einen Kaffee und ein Frühstück! Vielleicht bei Tiffany? Das ist doch nur 3 Blocks weiter.

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