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Daydreaming in Paris

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 viel Liebe am Place de la République!

viel Liebe am Place de la République!

Wenn ich den frühen Flieger um 6 Uhr nehme und dann zum Frühstück in Paris erst richtig wach werde weiß ich: Die neue Einkaufssaison hat begonnen! Jede Stadt hat ja ihren ureigenen Geruch und wenn ich in Paris lande, empfängt mich der Geruch von süßer, schwerer Luft. Später, wenn ich durch die Pariser Showrooms tingele, ist es eine Mischung aus Ibaes (Duftkerze von Diphtique), frischgebackenen Croissants und einem feuchten Dunstkuss aus der Seine. Im Winter riecht es auch nach heißer Trinkschokolade aus den Cafés im Marais. Paris im Januar wirkt dieses Mal wie in Watte gepackt, gewiss, irgendwo in der Stadt ist viel Trubel, verirren sich High Society Kunden und ein paar ausgesuchte Journalisten in Lust-Irrgärten bei Dior, sitzen superreiche Kundinnen auf weichen Ledersofas bei Chanel in der ersten Reihe oder es schweben elfenhafte Feen-Super-Modelle bei Valentino über den Laufsteg. Davon kriegt aber jenseits der Instagram Gemeinde in der Stadt kaum einer was mit. Die Rue Saint Honoré Faubourg bleibt verhältnismäßig leer und die Luxusboutiquen rüsten gerade von Sale auf neue Saison, also Zeit zum Atem holen für den bevorstehenden Ansturm der internationalen Mode Clique Anfang März.

 Graffiti im Le Bon Marché

Graffiti im Le Bon Marché

Ich liebe diese verschlafene Zeit in Paris, wenn zum petit déjeuner die Sonne scheint, es zum Lunch schneit und am Nachmittag der Nebel so dicht über der Seine hängt, dass man nur noch die Spitze des Eiffelturms sieht. Ich möchte behaupten, dass ich die Stadt zu jeder Jahreszeit schön finde. Das merke ich auch daran, dass ich selbst im Taxi nicht auf mein Handy, sondern die Szenerie und vorbeifliegende Straßenkulisse aufsauge und mich beim Tagträumen erwische „wie wäre es wohl hier zu leben?“... . Ich spüre, dass auch die Franzosen ihre Stadt lieben, dass sie immer draußen in den Cafés sitzen – auch mitten im Winter. Ganz unaufgeregt ist hier immer was los, wie zum Beispiel eine Graffiti-Aktion im Bon Marché, oder eine Demonstration (diesmal sind es die Zahnärzte) im Nobelviertel Saint Germain. Mich rühren die aufgeklebten roten Herzen auf dem Löwenkopf am Place de la République und auch der D’ Arc de Triumphe, wenn ich aus dem Chloé Showroom eher beiläufig kurz aus dem Fenster schaue; ja, ganz tief spüre ich hier immer noch den Geist der französischen Revolution und sehe Robespierre schreiend durch die Straßen laufen. Aber vielleicht ist es auch eher der Gedanke an die Wahlen in Frankreich dieses Jahr, der mich beschäftigt und die Ruhe vor diesem Sturm, was passiert, wenn le Pen gewinnt. Im Showroom von Isabel Marant wird dieser Gedanke aufgenommen – „Think“ und „use your Head“ fordert die mittlerweile ergraute Französin auf T-Shirts und Sweaters, die ihr erfolgreiches Label nun zu 51 Prozent in die Hände von Investoren (Montefiore Investment) gelegt hat. Immerhin, politische Botschaften sind en vogue und es bleibt chic Haltung zu tragen. Das Catering im Showroom Marant ist vegan und gesund – richtig so, denn bei den Preisen ist höchste Konzentration angesagt. Und das ist schon schwer genug, hat eine britische Einkäuferin doch tatsächlich die Vetements Stiefeletten mit dem Rückradblinklicht (als Absatz) an. Fasziniert beobachte ich wie sie damit geht und schon fallen mir andere Fuß-Stil-Blüten auf und ich frage mich, was ich alles zu sehen bekäme, wenn ich hier eine Showroom Küchenschabe wäre.

 Vetements Stiefelette mit Rücklichter - der ideale Fahrradschuh!

Vetements Stiefelette mit Rücklichter - der ideale Fahrradschuh!

 Attention vor den Leberflecken in xxl - Format

Attention vor den Leberflecken in xxl - Format

Lange Zeit zum Tagträumen bleibt mir allerdings nicht – es geht weiter zu Joseph und hier wimmelt es geradezu von Kunden und Gemurmel, es geht zu wie in einem Bienenstock. Die Kollektion ist schön: tolle Materialien, fließende Stoffe es gibt einen sensationellen Glencheck Mantel und ein humorvollen Charlie Brown Strickpulli. Das Label hat jetzt meine volle Aufmerksamkeit (vielleicht auch weil einige Teile besser gemacht sind, als bei meinem Lieblingslabel Celine?) Die Order läuft und der Tag macht seine Runde, verschluckt die Stunden, es wird rasch dunkel und plötzlich stolpere ich voll von Eindrücken doch noch ins Restaurant. Toll, wenn der Kellner mich schon erkennt und den Lieblingstisch reserviert hat (oder ist das eher spießig?). Ich ertappe mich, denselben „vin rouge biologique“ zu bestellen und schmecke zur Abwechslung auch mal ein Stück Paris.

 Nicht Trench, sondern Trendsetter: Glenchek bei Joseph!

Nicht Trench, sondern Trendsetter: Glenchek bei Joseph!

 Next season - Moi in Charlie Brown (Joseph)

Next season - Moi in Charlie Brown (Joseph)

Mein Bett im Boudoir Stil ruft nach mir und schnell schaue ich nochmal über den kleinen Hinterhof meines Hotels im 3. Arrondissements bevor ich mit dem Duft der Seifen - Hausmarke des Hotel Bourg Tibourgs - in der Nase in einen tiefen Schlaf falle.

 petite déjeuner im Hotel Bourg Tibourg

petite déjeuner im Hotel Bourg Tibourg

Aufwachen in Paris ist herrlich, allein, weil viele Französinnen auch so wuschelig auf den Kopf aussehen wie ich! Nur die Amerikanerinnen (und meine Barbara) sind noch nicht konvertiert und haben das Glätt-Eisen immer im Koffer! Den ersten Café gönne ich mir in der Badewanne (mache ich zu Hause nie!!!) und den zweiten dann in irgendeinen Showroom. In der Mode wird lange gearbeitet und der Tag beginnt dementsprechend schleppend. Ich verschaffe mir in 3 Tagen einen groben Überblick was die nächste Wintersaison bringt und freue mich über Glencheck, frische Farben, immer noch Oversize Pullis und Mäntel, Bomberjacken und riesengroße Sweaters mit originellen Drucken. Ein Schal bei y/project hat es mir besonders angetan: Anstelle eines Fußball-Emblems ist der entzückende Kopf von Marie Antoinette drauf geprintet und auch die Gummizüge in den Jeans- und Lederhosen haben es mir angetan. Ob ich das allerdings in der Hansestadt abgebildet bekomme ist fraglich, aber die Vorstellung darüber ist doch großartig. Und schon springt mein Kopfkino an....das morbide Verlies, direkt am Notre Dame hätte das innovative Pariser Label nicht besser wählen können! Und dann werde ich wieder überrascht: Demna Gvasalia (Designer Vetements) trumpft auf bei den Haute Couture Schauen mit ganz normalen Looks an ganz normalen Menschen jeder Couleur, Alter oder Geschlecht. Menschen von der Straße auf dem Laufsteg – genial! Seine Rechnung für Vetements Kleidung zu entwerfen, die die Leute auch wirklich kaufen und anziehen können ist aufgegangen: Das Label polarisiert und ist in aller Munde. Die politische Message (ohne T-Shirt Print) auch klar: Mehr Toleranz bitte, auch in der Mode. Diese Tragbarkeit zeugt von großer Realitätsnähe, eine Haltung, die wir alle gut gebrauchen können.

 Napoleon herrscht hier nur noch auf dem Schal!

Napoleon herrscht hier nur noch auf dem Schal!

 y/project Lederhose in Zihamonika-Optik

y/project Lederhose in Zihamonika-Optik

Auf dem Weg zum Flughafen gibt es noch einen kleinen Stopover im Chloé Shop auf der Avenue Montaigne, eine Hose für eine Kundin umtauschen. Das gute Stück wird wie ein Kleinod verpackt die Schleife der Tüte mit Parfum besprüht! Und so verlasse ich dieses Mal Paris mit dem süßlich schweren Geruch von Chloé in der Nase. Schöner kann es eigentlich nicht sein, oder?

 smelly Bow - to go!

smelly Bow - to go!

 

 ...fordert Isabel Marant!

...fordert Isabel Marant!

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