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Der ultimative Kölner-Karneval-Survival-Guide

Lifestyle, Reportage, TravelSoSue Team

Meine Freundin und gebürtige Kölnerin Chantal Blatzheim lebt nach Stationen in den USA, Madrid, Paris, Brüssel und Luxemburg, seit einigen Jahren im hübschen Zürich. Die Kunsthistorikerin und Sammlerin zeitgenössischer Kunst hat ihre grosse Leidenschaft zum Beruf gemacht und unterstützt mit ihrer eigenen Firma weltweit Museen, Biennalen und kulturelle Institutionen beim Fundraising und Sponsoring. Trotz der Jahre fern des Rheinlandes zieht es sie jedes Jahr zurück in die Heimat Köln zum Feiern der jecken Karnevalstage. Hier ihr HOW TO und WHERE TO GO in Hölle zum Karneval!

Kölle Karneval

Spätestens jedes Jahr Ende Januar ergreift mich eine Sehnsucht nach der Heimat. Auch nach Jahren im Ausland, dazu noch im Protestantischen, werde ich dieses Gefühl nicht los, diese unerklärliche Anziehungskraft, die nur ein echter Kölner nachvollziehen kann. Wir Kölner sind schon ein eigenartiges Volk oder wem sonst wird es beim Anblick einer mit Graffiti besprühten 60er Jahre U-Bahn-Unterführung warm ums Herz? Unsere Stadt ist wirklich nicht schön, aber sie lässt uns nicht los, besonders wenn diese "Jecken Tage" im Februar in greifbare Nähe rücken. Es soll sie ja auch geben, die Kölner Karnevalshasser, kennen tue ich aber keine persönlich. Im Januar beginnt also die Ideensammlung für das Kostüm oder die Kostüme (nach einem Tag kann man es normalerweise wegschmeissen), die Partyplanung mit Freunden, meist im Exil wie ich und voller Vorfreude auf das jährliche Wiedersehen an Karneval.  Auf spotify beginne ich eine playlist mit Liedern der Höhner und Bläck Föss anzulegen und mit jeder Hymne auf die Heimat steigert sich die Vorfreude und die Emotionen. Im normalen Leben käme ich nie auf die Idee um 10 Uhr morgens Bier zu trinken, mit wildfremden Menschen im Arm zu Volksmusik zu tanzen und mir wegen billiger Schokolade die Seele aus dem Laib zu schreien. An Karneval ist aber all dies ganz normal und am Schönsten ist es wenn man das Ganze auch noch mit sogenannten „Immis“ d.h. Zugezogenen und Auswärtigen teilen kann. Daher hier nun mein Karnevals-Guide für Köln und in diesem Sinne „Kölle Alaaf“!

Karneval Köln

Wichtigste Begriffe:

Kölle Alaaf: Karnevalistischer Narrenruf auf das Leben, vielseitig verwendbar. Auf ein gerufenes „Kölle“ antwortet die Menge üblicherweise drei mal mit „Alaaf“

Kölsch: Der Kölner Dialekt und das einzig akzeptable Bier während der Karnevalstage, nicht zu verwechseln mit „Alt“, dem dunklen Bier aus Düsseldorf. Kölsch wird aus kleinen 0,2 Gläsern getrunken, immer kühl und frisch.

Köbes: Seit dem 19. Jahrhundert im Kölner Brauhaus die Bezeichnung für Kellner. Er bringt immer weiter frisches Kölsch bis man einen Bierdeckel auf das Glas legt und kreuzt die getrunkene Menge mit einem Bleistift in Strichen auf den Deckel. Traditionellerweise ist er schlecht gelaunt und trägt eine blaue Schürze.

Kranz: Der Bierkranz mit Platz für bis zu 18 „Stangen“ und Griff in der Mitte, an den Karnevalstagen bestellt man für die Gruppe gerne direkt den „Kranz“ anstatt einzelner „Stangen“ bzw. Gläser  Kölsch.

Pittermännchen: 10-Liter Fass Kölsch zum selber zapfen, kann mancherorts auf den Tisch bestellt werden

Bützen: Kölsches Wort für Küssen, an Karneval „bützt“ man gerne häufig und im katholischen Rheinland holt man sich die Absolution dafür an Aschermittwoch

Aschermittwoch: der Tag an dem alles vorbei ist und mit einem Fischessen die Fastenzeit 40 Tage vor Ostern beginnt

Schunkeln: mit beim Nachbarn untergehakten Armen „schunkelt“ man zu Karnevalsliedern hin und her

Die Zahl 11: die ultimative Kölner Zahl, geht der Legende nach auf die heilige Schutzpatronin Kölns Ursula, ihre 10 Begleiterinnen und weitere 11.000 Jungfrauen zurück, die mit ihr ins Martyrium gingen. Das Kölner Stadtwappen zieren 11 Flammen, Karneval beginnt am 11. November um 11.11 Uhr und man könnte ewig so weiter machen....

Weiberfastnacht: Am Donnerstag beginnt der Strassenkarneval und die ganze Stadt gerät in einen Ausnahmezustand. Um 11.11 Uhr stürmen die Frauen der Stadt das Rathaus und nehmen den Bürgermeister gefangen und regieren Köln den ganzen Tag lang

Prinz, Bauer und Jungfrau (Das Dreigestirn): Die wahre Macht in der Stadt von Anfang Januar bis Karnevalsdienstag. Der Prinz regiert, der Bauer steht für die Wehrhaftigkeit der Stadt und die Jungfrau ist ein Mann im Kleid. Die 3 bilden den krönenden Abschluss des Rosenmontagszugs

Krawatte: an Weiberfastnacht darf jede in der Stadt getragene Krawatte von jeder Frau abgeschnitten und als Trophäe behalten werden. Dazu darf man den Krawattenträger „bützen“

Kamelle und Strüssje: im Rosenmontagszug geworfene Süssigkeiten und Blumen

Nubbel: eine lebensgrosse Strohpuppe hängt ab Weiberfastnacht in vielen Kneipen und wird am Karnevalsdienstag feierlich vor ihr verbrannt. So wird das Ende der wilden Karnevalstage besiegelt und die Fastenzeit eingeläutet. Mit den Nubbel werden auch alle begangenen Sünden verbrannt, er dient als Sündenbock

Jeck: kölsches Wort für verrückt und im Karnevalsrausch

Rosenmontag: der wichtigste Tag der „Session“, der Tag des grossen Rosenmontagsumzugs durch die Stadt Köln, dem „Zoch“. Bis zu 1 Millionen Menschen stehen am Rand des Zuges und rufen nach Kamelle und Strüssje, sie schunkeln, singen und bützen.

Karnevalssession: Zeit von der Proklamation des Dreigestirns Anfang Januar bis Rosenmontag

Funken und Gardisten: Bezeichnung für die Mitglieder der verschiedenen Karnevalsvereine, deren Uniformen ihren Ursprung in einer Persiflage auf die Uniformen der napolionischen Besatzungstruppen Anfang des 19. Jahrhunderts haben.

 

Beste Parties und Kneipen:

- Gürzenich: die historische Hochburg des Kölner Karnevals. Die Kostümbälle von Weiberfastnacht bis Sonntag sind die Besten der Stadt und der sogenannte „Medizinerball“ am Freitag die beste Party der jecken Tage. Ab August restlos ausverkauft aber an der Abendkasse kann man Glück haben

http://www.festausschuss-medizinerball.de/

Gaffel am Dom: die wirklich beste Party an Weiberfastnacht ist „Kamellebud“ im Gaffel direkt neben dem Dom. Das Brauhaus des Gaffel Kölsch ist besonders beliebt bei den 20 bis 40jährigen und man sollte früh da sein um nicht lange anstehen zu müssen. Hoher Flirt-Faktor!

http://www.gaffelamdom.de/

- Heising & Adelmann: die legendäre Bar und Karnevalstreffpunkt auf der Friesenstrasse

http://www.heising-und-adelmann.de/index.php?id=0_0_171

-Haus Unkelbach: An Weiberfastnacht stehen die Jecken ab 7 Uhr morgens in der Schlange, ab 10 Uhr ist Einlass. Ein Klassiker mit Kult-Faktor

http://www.hausunkelbach.de/veranstaltungen/karneval/

- Hotel Pullman Köln: die Hochburg des Dreigestirns ist der richtige Ort wenn man einmal einen Blick auf Prinz, Bauer und Jungfrau werfen möchte, am besten beim Ball Raderdoll ab 15 Uhr am Donnerstag

http://www.koeln.de/tourismus/karneval/highlights/ball-raderdoll_906200.html

- Rhythmusgymnastik Karnevalsport: coole und verrückte Partyreihe am Samstag und Sonntag nachmittag, perfekt wenn man auch schon tagsüber feiern will und das Programm ist aussergewöhnlich aber Kult

http://www.rhythmusgymnastik.de/

- Joldfever: die ultimative Karnevalsparty der „Goldenen Jungs“ am Samstag. Hier feiert die schicken und jungen Jecken unter sich in der Halle Tor 2

http://www.goldenejungs.de/karneval/joldfever.html

 

Köln Karneval
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