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Ala Zander goes... MIDBURN Festival

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 Ala Zander  @travala

Ala Zander @travala

2017 scheint mein Jahr der Wüsten-Festivals zu werden, über meinen kürzlichen Ostertrip zu Coachella in der kalifornischen Wüste bei Palm Springs hatte ich ja bereits ausführlich berichtet. 

Einer meiner besten Freunde stammt aus Israel und zu meinem Geburtstag schenkte er mir ein Ticket für MIDBURN, dem kleinen und international noch kaum beachteten Ableger des legendären Wüstenfests "Burning Man" in Amerika (alias "the Israeli Burning Man Community“).

Dieses mythenumrankte und angeblich irrste Festival der Welt reizte mich schon lange, allerdings empfand ich in den letzten Jahren den Hype drumrum sowie das mediale Ausmaß als übertrieben - außerdem verlasse ich im August (wenn traditionell der Burning Man brennt) nur ungern mein geliebtes Bayern, denn wenn wir da Sommer haben, gibt es für mich kaum einen schöneren Platz auf der Welt. 

1986 von Larry Harvey und Jerry James in San Francisco gegründet (damals gerade mal mit 20 Teilnehmern), findet das "Burning Man" Spektakel seit 1990 in Black Rock City in Nevada statt. Zuletzt mit 70.000 Besuchern und vielen Gerüchten, dass die kommerzielle Entwicklung nicht mehr dem Grundgedanken der 'Burner Community' entsprach. 

"Die Community" war seit Beginn diesen Jahres auch mein Thema geworden, mein Freund Michael aus Tel Aviv informierte mich quasi wöchentlich über den Status unserer Tickets, die nämlich verdammt schwer zu ergattern sind, denn man muss sich über ein ausführlich angelegtes Profil zur eigenen Person um die Teilnahme bewerben. 

Nur 20% der MIDBURN Members stammen nicht aus Israel und ich bin nun eines davon. Denn ich bin  gerade aus der Negev-Wüste zurück gekehrt und jetzt verstehe ich auch die Sache mit der „Community“ :-)

Diese entsteht nämlich ganz automatisch, wenn sich mitten im kargen Nirgendwo unter brennender Sonne Musik- und Kunst-versessene Neuzeit-Hippies für 5 Tage ein völlig autonomes Dorf errichten, das mit seinen selbst gebauten Vehikeln, Skulpturen und Zeltstädten an eine Szene aus Mad Max erinnert. 

Burning Man ist Kult, nicht zuletzt weil nach Ende des wilden Festivals kein Zelt, keine Schraube, keine Dose im heißen Sand zurückgelassen wird. So, als hätte das alles nie stattgefunden

Dieser spirituelle Verbund mit der Natur und Gleichgesinnten ist auch das Leitmotiv des MIDBURN Festivals. allerdings sind "wir" nur 8000 Teilnehmer und da fällt das sicherlich nochmal etwas leichter. 

Der Hippie-Ethos und sein ökologischer Ansatz, die Kunst-Installationen im flimmernden Wüstensand, die am Ende des Festivals übrigens dramaturgisch verbrannt werden und die insgesamte Konsumverweigerung üben scheinbar eine enorme Anziehungskraft auf meine Generation aus.Auch ich, die ich die Konsumgüterindustrie mit meinem Beruf normalerweise maßgeblich fördere, fand es geradezu befreiend, tagelang ohne Geld zu leben, nicht mal daran denken zu müssen. Denn Konsum existiert nicht @Midburn. 

Das einzige, das man kaufen kann sind Eiswürfel und das auch nur, wenn man täglich früh genug  zur Ausgabe-Stelle pilgert. Das Festival-Gelände besteht aus ca. 150 Selbstversorger-Camps, am Anreisetag werden somit Kanister-weise Trinkwasser, Nahrungsmittel, Gasflaschen, Grillvorrichtungen und natürlich Wohnwägen, Zelte, Teppiche und Deko-Artikel in die Negevwüste gekarrt, viele bleiben dabei schon gleich das erste Mal im Feinstaub-artigen Sand stecken und müssen zu Fuß weiter. 

Unser Camp hatten wir „Swan Lake“ getauft (jedes Camp verschreibt sich einem ganz individuellen Motto), was auch das Tragen von farbenprächtigen Tütüs erforderlich machte:-)

 Unsere Eiswürfel-Lieferung

Unsere Eiswürfel-Lieferung

Unter einem großen schattenspendendem Baldachin errichteten wir einen Tag lang unser neues Zuhause, es gab eine Living Area, eine Küchenecke, unsere Schlafzelte und natürlich ein DJ-Pult, denn wir hatten mit David unseren ganz eigenen Camp-DJ am Start. Wir hatten einen Kühlschrank gebucht, der kaputt war - genauso wie die „Dusche“, die auch nicht wirklich funktionierte. Über die öffentliche Toiletten-Situation verliere ich hier kein Wort, das ist nämlich nichts für Anfänger.

Für Festival-Anfänger ist übrigens die ganze Veranstaltung nix: bei über 40 Grad im Schatten fliegt einem permanent der mehlfeine Sand um und in die Ohren, er ist überall, auf der Zahnbürste, im Schlafsack, in der Sonnencreme, auf dem Essen. Muss man mögen. Ich als Beauty-Junkie fand das mineralisch wertvolle Dauer-Bodypeeling eigentlich  ganz geil. Jeden Mittag wurde der Wind stärker und fegt mitunter in so starken Böen durchs Camp, dass man irgendwann einfach gar nicht mehr versuchte, ihn noch wegzuwischen. Dazu wummert 24 Stunden lang der Bass der diversen Dancing Areas, die alle paar Kilometer in der Wüste installiert waren.

Kein Dancefloor war je überfüllt, da sich tanzwütigen "Burners" ja rund um die Uhr austoben konnten, irgendeiner tanzt immer, verstärkt natürlich zum Sonnenauf- und untergang. 

Alle sind gut drauf, alle zelebrieren Liebe, vor allem zur Natur und naturnahen Rauschmitteln. Alkohol wird kaum konsumiert, wie auch....

Man lernt minütlich coole Leute kennen, die meisten sehen auch noch richtig gut aus und haben dabei wenig an, was die unendliche Reizüberflutung des ganzen Szenarios noch ein bisschen fördert. 

Ich habe 4 Tage lang kein einziges böses oder aggressives Wort gehört, it's all about good vibes, Peace und Happiness und das Gemeinschaftsgefühl, der gegenseitige Respekt und die fast schon surreale Kulisse haben mich massiv beeindruckt und berührt. 

Die Vorstellung, die ganze Welt könnte nur ein kleines bisschen so funktionieren macht einen dabei allerdings wehmütig - ein Gefühl, das bei mir seit meiner Rückkehr vorwiegt. 

Meine Swanlake-Burners und ich sind allerdings in regem täglichen Kontakt, denn die Planung zu MIDBURN 2018 laufen natürlich längst auf Hochtouren! 

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