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Haare gut. Alles gut!

LebenSue Giers2 Comments

Die Geschichte meiner Haare ist eine Odyssee  mit vielen Höhen und Tiefen. Es war, wie im richtigen Leben: es verlief nie ganz glatt. Als Kind mit Spaghetti-Haaren geschlagen war ich das Schnittmodell von der Freundin meines Vaters. Die war Friseuse und liebte es meinen Haaren einen Fassonschnitt zu verleihen. Leider war das nicht von Vorteil, weil sie eigentlich nur Herren schnitt, daher sah ich lange wie ein kleiner Junge aus.

Als ich mit meiner Mutter nach Hamburg zog und ich ihrer Schere endlich entkam, erwischte mich die Pubertät oder war es nur mein Schopf? Meine Haare fingen sich an zu kringeln. Genau wie meine Gedanken; alles nur noch kraus! Ich litt. Warum? Es waren die 8oer. Es war die -Zeit der Popper. In meinem Kaff hatten alle Mädchen einen so schönen arroganten Bob. Den schnitt ich mir auf einer Party und zur Belustigung all meiner Freunde selbst! Denn ein Bob aus Locken ist ein Paradoxon. Oben am Scheitel hängen sich die Locken schnell aus und stauen sich dann um die Wangenpartie, das gibt einen A-  und B-Hörnchen Effekt. Glätteisen und Lockenstab, wie heute, gab es damals noch nicht. Jedenfalls war es verpönt. Also litt ich leise vor mich hin, bis ich nach dem Abitur nach New York ging. Da trug ich meinen curly Bob schon weitaus selbstbewusster oder auch gern zur Abwechslung eine silbergraue Perücke à la Warhol. Anfang der 90er sah ich aus wie Madonna in „Holiday“ gern auch mal mit Schleife im Haar.

Ständig wollte ich mich verwandeln, meine Haare auf der Suche nach Heimat, bis ich plötzlich kurzen Prozess machte und sie mir raspelkurz schneiden ließ. Anfänglich noch vorsichtig mit Vokuhila (vorne-kurz-und-hinten-lang). Ich heiratete als Jean Seberg an einem Freitag den 13. und war im 5. Monat schwanger: Das Volumen war jetzt eindeutig in der Mitte des Körpers. Genau wie mein Geist. Wie das Wunder der Geburt erlebten auch meine Haare wieder eine perfekte Glättung: Es war eine schöne Zeit ohne Strähnen und so ganz ohne Frisur und Friseur. Der Schopf wuchs genauso schnell wie meine Kinder, die noch folgten.

Als die Haare wieder lang wurden, ersetzte ich meine ergrauten Strähnen durch blonde. Das war ein großer Fehler. Denn Ich fand heraus, dass meine Haare sehr viele Rotpigmente haben und ich statt Honig- oder Sahara-Strähnen immer recht „goldig“ endete. Nur eine persische Meister-Koloristin aus LA, die auch für Nicole Kidmann und Cate Blanchet die Haare verzauberte, schaffte es mal, mir diesen „Goldzahn“ zu ziehen. Sie bescherte mir die perfekten Strähnen.

Ich genoss die wenigen Monate meiner perfekten Haarpracht. Und jetzt immer zum Färben nach LA? Undenkbar! Ich probierte weiter. Mit diversen Empfehlungen von Freunden landete ich immerhin in München bei Ayse Auth, ebenfalls Expertin für blonde Strähnen. Das ließ sich wunderbar mit Terminen verbinden.

Nach meiner Trennung, kamen auch ein paar alte Bekannte zurück: meine Locken. Für Strähnen fehlt mir jetzt einfach die Geduld. Heute bin ich froh, wenn ich den Ansatz schaffe. Meine Haare trage ich seitdem „out of bed“. Das finde ich ganz leger und es ist unkompliziert. Ich laufe, dusche, mache irgendeine Creme ins Haar und lasse lufttrocknen. Ich mag die neue alte Curly Sue. Nur meine Töchter schreien immer, ich soll mir die Haare glätten. Nur so, würde ich einigermaßen gut aussehen! Die können froh sein, dass ich nicht wieder Pixie trage. Manchmal lass ich meine Große an meinen Schopf und sie macht das wirklich gut, mit all den Rundbürsten und Eisen. Meistens gehe ich jetzt „en Nature“ auf die Straße.

 

Neulich in München habe ich mir mal wieder einen Coup Volume gewünscht. Das Kind in mir schrie nach Verkleidung. Es bescherte mir eine schöne Melania Trump-Mähne.  Es ist schon erstaunlich, welche Aussage und Reaktionen so ein Hairdue hervorruft. Ich freue mich wieder auf meine Locken. Ich hoffe, dass sie mir die vorübergehende Glättung nicht krumm genommen haben!

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