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Taj Mahal

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Agra empfängt uns mit duftenden Blumenketten und einer klebrig zuckrigen Rosenwasserlimonade. Man geleitet uns durch die Hotelhalle durch die ich am Ende des Gangeseinen ersten flüchtigen Blick auf das sagenumwobene Monument erheischen kann. So von Weitem und eingerahmt durch zwei Fensterfronten wirkt es recht unaufgeregt – ein wenig, wie das Capitol in Washington: Erhaben und majestätisch und doch nicht real. Eher wie eine Kulisse aus einem indischen Bollywood Film. Zum Sonnenuntergang wollen wir noch schnell zum „Roten Fort“ um von dort aus einen Blick über den Yamuna River auf das Mausoleum zu erhaschen. Hier starb der Mughal Kaiser, Shah Jahan (1592-1666) im Exil mit Blick Richtung Taj Mahal, wo seine Lieblingsfrau Mumtaz Mahal begraben lag. Ihr zu Gedenken gab der Moghul Kaiser das Gebäude aus reinem Marmor 1631 in Auftrag. Seitdem ist es Synonym für Liebende aus der ganzen Welt. Ein Besuch soll die gegenseitige Liebe dauerhaft machen und bestärken. Das Schönste aber, was je über das Taj geschrieben wurde, ist von Rabindranath Tagore: „Eine Träne auf der Wange der Zeit“. 

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Selten war ich so voller Vorfreude wie am nächsten Tag. Lange vor dem Läuten des Weckers lag ich hellwach im Bett, war aufgekratzt wie eine streunende Katze und froh als es endlich um 5.30 Uhr losging. Taj Mahal zum Frühstück dachte ich noch, bevor ich mich in den Besucherstrom Richtung Monument einreihte. Rund 40.000 Besucher täglich und ich sollte heute Eine davon sein. In der Morgendämmerung fluteten wir also durch das Süd-Tor. Es herrschte eine feierliche Stille oder war es Schlaftrunkenheit? Ich glaube, es war die Magie des Ortes, gemischt mit dieser mystischen Ruhe bevor die ersten Sonnenstrahlen die dunkle Nacht endgültig verscheucht. Hier und Jetzt, in dieser Twilight Zone, stand ich im Tor und schaute auf diesen strahlend weißen Koloss, der von zwei rotwändigen Moscheen beschützend eingerahmt friedlich am Flussufer lag. Es war noch diesig (meine Freundin Steffi würde sagen, das Taj hatte noch sein Nebelröckchen an) und die Stimmung war surreal, vielleicht wie in einer Freilicht-Kathedrale. Mir verschlug es den Atem und meine Gefühle suchten sich in Form von Tränen ein Ventil. Selten war ich so berührt – von einem Gebäude schon mal gar nicht. Ich kann es auch gar nicht erklären, ob der Liebesgeschichte oder den 2000 Menschen geschuldet, die 22 Jahre lang daran gebaut haben. Vieles ist Legende, aber die atemberaubende Schönheit des Taj Mahal spricht ganz für sich. 

Während wir uns dem Taj Mahal nähern, lauschen wir unserem Guide Rohit, wie er von dieser einzigartigen Liebe des Kaisers zu seiner Frau erzählt; das er 5 Jahre lang auf sie hat warten müssen, weil in Indien die Astrologen die Heirat bestimmen. Und Mumtanz ihm dann 14 Kinder gebar und sie nie, auch nicht einen einzigen Tag, getrennt voneinander verbracht hätten, bis 1631 verstarb. Um uns herum eine Multikulti-Gesellschaft alle ebenso ergriffen und im Bann dieses Zeugnis einer großen Liebe. 

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Ich habe nie eine „Bucket List“ gehabt, auf der dieses und ähnliche Gebäude verzeichnet waren und nun muss ich aufpassen, dass ich nicht anfangen werde, danach zu suchen. Mein Erlebnis, mein Gefühl am Taj Mahal hatte nämlich, glaube ich, nichts mit einer Suche, sondern mit Ankommen zu tun. Einem Gefühl von tiefem Frieden und vom Ein- und Ausatmen. 

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