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Trau dich noch einmal: Über das Glück der zweiten Ehe

InterviewSue Giers18 Comments
 Meghan Markle traute sich am Wochenende noch einmal. Die heutige Duchess of Sussex hat schon eine Scheidung hinter sich, das ist für Traumprinzen, wie Prinz Harry aber kein Problem, denn am Ende zählt nur die Liebe.

Meghan Markle traute sich am Wochenende noch einmal. Die heutige Duchess of Sussex hat schon eine Scheidung hinter sich, das ist für Traumprinzen, wie Prinz Harry aber kein Problem, denn am Ende zählt nur die Liebe.

 Scheidung und wieder neu Heiraten kommen in den besten Familien vor: Prinz Charles, Camilla die Duchess of Cornwall und Meghan sind alle drei geschieden und haben sich wieder getraut.

Scheidung und wieder neu Heiraten kommen in den besten Familien vor: Prinz Charles, Camilla die Duchess of Cornwall und Meghan sind alle drei geschieden und haben sich wieder getraut.

 So geht Liebe: Schwägerin Prinzessin Anne kann Meghan viel über die zweite Ehe erzählen. Sie ließ sich 1992 scheiden, um gleich ihren heutigen Mann Timothy Laurence zu heiraten.

So geht Liebe: Schwägerin Prinzessin Anne kann Meghan viel über die zweite Ehe erzählen. Sie ließ sich 1992 scheiden, um gleich ihren heutigen Mann Timothy Laurence zu heiraten.

Für die Royals kein Problem: Verliebt, verlobt, verheiratet, geschieden und wieder verheiratet. Hochzeitsexpertin Nadine Metgenberg über das Glück der zweiten Ehe.

Liebe Nadine, immer mehr Menschen trauen sich, nach einer gescheiterten Ehe ein zweites Mal zu heiraten. Auch für die amerikanische Schauspielerin Meghan Markle ist es der 2. Versuch - wenn auch royal und sehr pompös. Was ist an dem Modell Ehe immer noch so faszinierend? Bei den heutigen Scheidungsgesetzen kann man den Versorgungsbonus ausgrenzen und auch die Familiengründung scheint bei den Wiederholungstätern nicht unbedingt mehr zur Zukunftsplanung gehören. Warum also der wiederholte Gang vor den Traualtar? Wir treffen Wedding-Expertin Nadine Metgenberg von der Hochzeitsplaner Agentur Fine Weddings & Parties. Sie ist nah dran. An den Paaren und ihren Wünschen. Organisiert im Luxus-Segment große, aber auch kleine und feine Hochzeiten und Partys und weiß, was Paare, die zum wiederholten Male heiraten, wirklich zu diesem Schritt bewegt.

 Wedding-Expertin Nadine Metgenberg Foto: Zuzu Birkhof

Wedding-Expertin Nadine Metgenberg Foto: Zuzu Birkhof

Warum heiraten Paare aus gescheiterten Ehen trotzdem wieder mit großer Hochzeitsfeier?
Warum nicht? Ich finde es zauberhaft, zu heiraten, warum denn nicht noch einmal? Was gibt es schöneres, als eine zweite große Liebe zu finden und das nochmal richtig zu zelebrieren und sich das Ja-Wort zu geben. Topaktuelles Beispiel dafür ist Meghan Markle, die am 19. Mai Prinz Harry geheiratet hat. Früher war alles vielleicht trister: Es gab viele Versorgungsehen, ein anderes Rollenverständnis und eine viel geringere Lebenserwartung. Aber davon haben wir uns zum Glück lange verabschiedet.  Ein „bis dass der Tod uns scheidet“ hatte eine völlig andere Bedeutung als heute. Eine lebenslange Ehe früher wäre im Vergleich zu heute gleich zwei oder dreimal „lebenslänglich“. 

Ist das gar ein Trend? Wird jetzt auch wieder im reifen Alter wieder vermehrt geheiratet?
Aus Liebe zu heiraten war, ist und wird immer ein Trend bleiben. Bei unseren Kunden ist es beispielsweise so, dass etwa jeder vierte das zweite Mal in die Ehe startet. Als Hochzeits-Experten finden wir das natürlich toll und können uns nichts Besseres vorstellen, als die Liebe so richtig zu feiern – beim ersten Mal, beim zweiten Mal, jedes Mal. 

Was für Beweggründe gibt es noch dafür?
In der Regel ist es der eine und einfachste Grund der Welt – die Paare heiraten aus Liebe. Und damit ist der Beweggrund eigentlich immer gleich. Und das ist gut so.

Was wollen Deine Kunden bei ihrer 2. Hochzeit anders haben, als bei der Ersten? Auf was muss man beispielsweise (Sitzordnung) besonders gut achten?
Das ist individuell ganz unterschiedlich. Generell lässt sich aber sagen: Wenn der Mann das zweite Mal heiratet, soll es für die Frau meistens größer und schöner werden als beim ersten Mal, um sich von der ersten Hochzeit abzugrenzen. Den Männern ist das häufig egal, wenn sie eine Frau heiraten, für die es die zweite Ehe ist. Große zu beachtende Unterschiede gibt es da eigentlich nicht – es soll immer ein perfekter Tag sein.

 Foto: Ashley Ludaescher

Foto: Ashley Ludaescher

Was gibt es noch für Fettnäpfchen?
Stell`Dir vor, der Brautvater hält eine Ansprache und erzählt, dass er den Vorgänger-Schwiegersohn eigentlich viel viel toller fand. Lacht. Wirkliche Fettnäpfchen gibt es eigentlich nicht. Nein, Spaß beiseite, ich hatte noch keine wirklich peinlichen Situationen.

Wie geht man mit dem Patchwork-System um? Ist das alles viel komplizierter als beim ersten Mal?
Meine Devise lautet „Keep it simple!“, man muss auch das Patchwork-System nicht kompliziert machen. Insgesamt ist es doch so, dass gerade auch in Patchwork-Beziehungen eine Hochzeit das beste Zeichen dafür ist, das der neue Partner verbindlich in die Familie aufgenommen wird. Übrigens nehmen Frauen bei der zweiten Hochzeit häufig einen Doppelnamen an und lassen den ersten Namen erst fallen, wenn die Kinder aus dem Haus sind. 

Was ist der größte Unterschied zwischen 1. und 2. Hochzeit? Und was ist eklatant anders vielleicht auch beim dritten Mal?
Bei der ersten Hochzeit sind die Paare meist jünger, so dass bei den Entscheidungsprozessen die Eltern manchmal noch mit ins Boot geholt werden. Bei der zweiten und dann natürlich auch bei weiteren Hochzeiten sind die Eltern außen vor. Die gesamte Planung und der Ablauf werden beim 2. Mal viel gelassener und entspannter geplant.. Kunden, die zum dritten Mal vor den Traualtar treten, hatte ich allerdings bisher noch nicht..

Was sind die Vorteile einer 2. Hochzeit bzw. Hochzeitsfeier?
Das Stichwort ist, wie eben bereits erwähnt „Gelassenheit“ – und zwar auf allen Ebenen. Bei der ersten Hochzeit herrscht beim angehenden Brautpaar noch viel mehr Aufregung. Beim zweiten Mal wissen die Paare genau, was sie wollen und vor allem auch, was nicht.

Wie ist der Dresscode? Ist es nicht peinlich wiederholt in weiß zu heiraten? Gibt es da ein ungeschriebenes Gesetz?
Jeder sollte es so machen, wie er möchte, warum sollte das peinlich sein? Und wie vermutlich 99 Prozent aller Menschen assoziiere ich eine Hochzeit mit einer Braut in einem weißen Kleid. Darum ja und ohne Frage – auch beim zweiten Mal in Weiß. Peinlich gibt es da nicht. 

Wie ist das mit den Hochzeitsreden: Ist es verpönt die „alten“ Partner zu erwähnen?
Insbesondere wenn Kinder aus erster Ehe im Spiel sind, finde ich es gut, die vorherigen Ehepartner in den Hochzeitsreden lobend zu erwähnen. Ein respektvoller Satz, fertig. Natürlich sollte sich nicht der Großteil der Rede um die Ex-Partner drehen. Aber im besten Fall verstehen sich alle gut, und die ehemaligen Partner sind auch auf der Hochzeit. 

Hast Du eine besonders schöne Anekdote von einer „zweiten Runde-Feier“
Wir haben vor kurzem eine Hochzeit auf Capri geplant, bei der es in die zweite Runde ging. Alle kamen vorwiegend aus Deutschland angeflogen, auch die Brautmutter. Und die tanzte mit ihren 85 Jahren voller Freude über das neue Glück ihrer Tochter bis morgens um 6 Uhr durch. Das nenne ich mal eine gelungene Feier, es war wirklich toll anzusehen!

Und gab es auch mal ein peinliches Erlebnis – z.B. mit Partnern aus der 1. Ehe?
Nein, das habe ich bisher nicht erlebt.

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Sollte man die Partner aus erster Ehe der Kinder wegen einladen?
Das sollte man meiner Meinung nach nicht einfach gezwungenermaßen der Kinder wegen, sondern einfach aus Respekt vor dem vergangenen Lebensabschnitt tun. Wie gesagt, im besten Fall verstehen sich alle ehemaligen und zukünftigen Partner untereinander. Dann wird das eine klasse Party!

Was sagt eine Hochzeit bzw. wie sie gefeiert wird über die Haltbarkeit der Beziehung aus? 
Dazu gibt es die lustigsten Statistiken. Besonders gut gefällt mir, dass Ehen umso stabiler sein sollen, je mehr Gäste auf der Hochzeit waren. Dieses in den letzten Jahren voll erblühte Feld nennt sich „Quantitative Familiensoziologie“. Hier wird geforscht, wenn Menschen sich scheiden lassen, von welchen Faktoren und Barrieren das abhängig ist. 

Liebe Nadine, auch du warst schon einmal verheiratet – würdest Du es wieder wagen, wenn der Richtige kommt?
Meine Hochzeit ist wirklich schon sehr sehr lange her, ebenso meine dazugehörige Scheidung - ich bin in etwa schon doppelt so lange geschieden wie ich überhaupt verheiratet war. Und ja, natürlich würde ich ein zweites Mal heiraten. Ich bin eine durch und durch romantische Seele, ich glaube an die Liebe, und ich glaube an die Ehe. Mein Beruf ist sozusagen meine Berufung.

 Foto: Ashley Ludaescher

Foto: Ashley Ludaescher

Und wie würdest Du persönlich dann heiraten wollen?
Mit einem rauschenden Fest natürlich! Umringt von einer grossen Patchwork-Familie und ihren liebsten Freunden - Wie könnte es für eine Luxus Hochzeitsplanerin anders sein?! Es gäbe eine riesige Blumendekoration, am besten ein ganzes Blütenmeer, dazu unzählige Kerzen. Und ganz wichtig: Niemand soll sich langweilen, ein großer Fokus wäre auf der Hochzeit also der gesamte Entertainment-Komplex: Mit Live-Musik, tollen Bands, Tänzern, etc. 

Muss oder sollte man sich beim zweiten Mal das Einverständnis der Kinder holen?
Ich persönlich bin der Meinung, dass man die Entscheidung sowohl zu einer Scheidung als auch zu einer zweiten Ehe für sich selbst trifft und treffen muss, völlig unabhängig von Kindern. Glückliche Kälbchen von glücklichen Kühen, sage ich immer. Aber natürlich ist es ein „smart Move“, wenn beispielsweise der Mann die Kinder fragt, ob er ihre Mutter heiraten darf. Dann fühlen sie sich eingebunden.

Wer führt zum Altar bei der zweiten Ehe? Wird überhaupt nochmal kirchlich geheiratet?
Kirchlich oder nicht kirchlich – das entscheidet jedes Paar individuell für sich, je nachdem, wie es sich gut anfühlt. Für Katholiken ist das natürlich nicht möglich, aber ansonsten sind alle Möglichkeiten offen. Grundsätzlich sehen wir bei Fine Weddings & Parties aber den Trend, dass unsere Kunden eine freie Trauungszeremonie wählen und nur noch etwa 20 Prozent unserer Kunden überhaupt kirchlich heiraten möchten. Und zum Traualtar führt genau wie bei der ersten Hochzeit der Brautvater, der Bruder, oder wer auch immer der Braut besonders nahesteht. 

Wer bezahlt die Hochzeit? Die Eltern der Braut wohl kaum?
Der, der das Geld hat natürlich. Niemand sollte sich für seine Hochzeit verschulden und das Gesamtbudget sollte einfach auch im Verhältnis stehen. Das können auch die Eltern der Braut sein – warum nicht?! Wir sollten uns in der heutigen Zeit davon verabschieden, dass Paare nur einmal heiraten und die zweite Hochzeit etwas Schändliches hat. Das wurde vielleicht früher einmal so gesehen, aber heute genießen wir zum Glück in vielen Lebensbereichen jede Menge großartige Freiheiten.

 Foto: James Pouliot

Foto: James Pouliot

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