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Inselhopping in Thailand mit SoSUE

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Ich war das letzte Mal vor 25 Jahren in Thailand - mit Rucksack, wenig Geld und auf der Suche nach dem perfekten Strand. Den habe ich damals in Koh Ma gefunden. Einer winzigen Insel mit ein paar Hütten und einer Tauchschule. Dort habe ich mich niedergelassen und gebüffelt für den Padi Tauchschein. Beim täglichen Tauchgang habe ich allerdings meistens nur unzählige Seegurken gesehen, die im Wasser wie schwarze schlaffe Penisse hin und her waberten. Ich hielt trotzdem durch und hoffte fortan auf freundlichere Gewässer. 

Das und die Erinnerung an das gute Essen ließen mich kurz nach Weihnachten in freudiger Erwartung meine Koffer packen. Wie mir Thailand wohl diesmal begegnen würde?

First Stop Phuket: die vielen Resorts auf Phuket sind fest in ausländischer Hand und Phuket selbst wirkt recht modern und erschlossen. Tuk Tuks und Familien auf Motorrädern sieht man kaum noch. Dafür umso mehr Autos chinesischer Autobauer, was wohl auch als politisches Statement verstanden werden kann. Und so dauert es, bis ich mich akklimatisiere. Auch die 6 Stunden Zeitunterschied steckt mein Körper auch nicht mehr so einfach weg… Wie immer im Urlaub brauche ich, um meinen Geist und Körper runterzufahren. Und ich tendiere in meinem Erkundungseifer immer ein wenig zu lange unterwegs zu sein. Es ist wohl das Bedürfnis einordnen zu wollen, wo man hier ist.

Das Anantara Resort, in dem ich die ersten Tage verbringe, hat einen deutschen Hoteldirektor und einen australischen Chefkoch und wird nahezu generalstabsmäßig geführt. Die vorwiegend russischen Großfamilien, die es zu dieser Zeit hierher verschlagen hat, sind ein anspruchsvolles Klientel. Mit Staunen bewundere ich, was trotz reichhaltigem Frühstücksbüffet noch an Extras aufgefahren werden muss. Fehlt nur, dass der hauseigene Beluga Kaviar ausgepackt wird. Nie habe ich Damen so viel Champagner schon vor 10 Uhr trinken sehen – naja,  soll ja gut für den Kreislauf sein...

Ich für meinen Teil bin schon mit der Früchteauswahl überfordert und danach pappsatt. Ebenso amüsiert betrachte ich das Treiben am Pool. Dass das Liegen-Besetzen auch in Resorts der gehobenen Klasse herrscht, hat fast was Beruhigendes. 

Ich bevorzuge den Strand – der erstaunlicher Weise immer sehr leer ist. Lange Strandspaziergänge werden zu meinem Tageshighlight. In einer typischen Thai-Bar trinke ich eine Kokosnuss und beobachte die wild-streunenden Hunde am Strand. 

Sylvester feiere ich organisiert mit vielen Fremden. Es gibt 5 Gänge und eine Bühnenshow. Zum Glück mache ich mir nichts aus der letzten großen Party des Jahres. Nur dass ich vor meiner Familie und Freunden in 2019 rutsche, ist komisch und so verschlafe ich auch viele Anrufe, die mich nach 24 Uhr europäischer Zeit erreichen. 

Nach Neujahr kommt der Sturm bzw. erst einmal die Angst davor. Wir sehen die Bilder der Verwüstung und es liegt eine undefinierte Angst in der Luft. Einige Leute reisen ab – andere gehen trotz Badeverbot erst Recht ins Wasser. Jeder geht anders um mit dieser unheimlichen Stille vor dem Sturm. Auch ich möchte am Liebsten in der Natur sein, den Himmel beobachten. Eigentlich sollten wir schon längst nach Ko Yanoi weiter, aber der Bootsverkehr ist bis auf Weiteres eingestellt. Jetzt heißt es abwarten und Tee trinken. Warten auf Pabuk… Der kommt in der Nacht mit einem plötzlichen Platzregen. Palmenwedel und Wasser peitschen gegen mein Fenster und ein ziemlicher Wind fegt über das Dach hinweg. Ich kann kaum schlafen. In gewohnter Umgebung empfinde ich ein Gewitter als gemütlich im blinden Vertrauen, dass mir nichts passieren kann. Hier – in fremder Umgebung - wird mir das sonst so spannende Fremde zur unberechenbaren Größe. Der Sturm, der bislang nur äußerlich tobt, erfasst meine Gedanken. Was wäre wenn... ? Familie und Freunde machen sich Sorgen und das macht auch mir Sorgen. Es ist ein kleiner Teufelskreis der Angst, der mich für ein paar Tage in Schach hält. Aber dann endlich Entwarnung… Der Sturm hat an Stärke verloren und erreicht Phuket nur noch abgeschwächt. Es regnet nur viel und das ist völlig in Ordnung. 

Endlich können wir unsere Reise fortsetzen: Ko Yanoi erwartet mich mit seiner üppigen Vegetation und pittoresken Landschaft. Alles ist friedlich und sehr schön hier. Das Resort versorgt sich fast komplett selbst. Obst undGemüse werden angebaut und das Frühstücksei kann man sich selbst aus dem Stroh angeln. Alles schmeckt sehr frisch und die Strände sind quasi menschenleer. So richtig genießen kann ich dieses Paradies allerdings nicht – eine Bronchitis mit Fieber fesselt mich die nächsten Tage ans Bett und ich bleibe fast ausschließlich in der Hütte. 

Es hilft aber nichts: ich muss weiter, denn ich bin noch auf ein Fest auf Koh Payam eingeladen. Der Trip dorthin ist mühsam und bei Fieber überhaupt kein Spaß. Es geht zurück über Phuket, um dann ein Speedboat nach Koh Payam zu erwischen. 

Das gilt noch als eine der letzten Hippie-Enklaven und in der Tat sieht es hier noch sehr ursprünglich aus: Keine Straßen, kaum Elektrizität und nur einfache Hütten am Strand. Zu Fuß oder mit dem Moped lässt sich die kleine Insel schnell erkunden. So habe ich Thailand in Krabi vor rund 20 Jahren in Erinnerung: Früchte und Frittiertes an jeder Straßenecke, bunte Bars und überall Gras-Geruch in der Luft… Aber auch die Backpacker hier sind nicht mehr ganz so jung wie damals – ich vermute eine Pädagogen-Schwämme (jedenfalls den Wortfetzen von Strand- und Tischnachbarn nach). 

Wir sind hier auf einer Hochzeit bzw. einer Hochzeits-Wiederholung eingeladen. Bruce Willis meets Prinzessin Lillifee – so sieht sich das Paar selbst, das sich vor rund 10 Jahren zum ersten Mal das Jawort gab - eine Liebe mit Strahlkraft. Viele Freunde aus aller Welt sind gekommen, um mit den beiden zu feiern. Eine sehr schöne buddhistische Zeremonie und Feier am Strand lassen mich Thailand in einem ganz neuen Licht erblicken. Ich wohne in einer kleinen Hütte direkt am Strand und es ist beruhigend zu sehen, wie wenig man eigentlich zum Leben braucht: Ein Bikini oder Bananenblatt, höchstens ein Tuch. Zum Essen reichen Früchte vom Baum und abends ein warmes Reisgericht, ein gutes Buch und vielleicht ab und zu Wlan. Und so kann ich verstehen, dass manche hier überwintern. Thailand im Winter – ohne Sturm erscheint es mir hier als das perfekte Reiseziel.

Die letzten zwei Nächte verbringe ich in Bangkok. Noch ganz auf Dschungelcamp eingestellt, muss ich mich erst an die typischen Großstadtgeräusche und die vielen Lichter gewöhnen. 

Ein letztes Mal genieße ich mein geliebtes Thai-Curry und klebrigen Reis mit Mango zum Nachtisch. Staunend schaue ich mir eine Luxus-Mall an, die hier  von den Einheimischen wie Disney-Land gefeiert wird. Die Luxus-Industrie hat dank der internationalen Fashion-Globalisierung auch Bangkok erobert. Vor Gucci und Co. sind lange Schlangen völlig ungeachtet der Tatsache, dass es die billige Kopie nur ein paar Blocks weiter gibt.

Und so war Thailand nach 25 Jahren ein Land mit vielen gegensätzlichen Eindrücken, die ich immer noch versuche zusammenzubringen… 



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