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Eppendorf

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Ich lebe in Eppendorf – und wer meinen Instagram-Account verfolgt, erkennt die zahlreichen schönen weißen Fassaden vor denen ich mich gern postiere. Am Eppendorfer Baum beim Bäcker kennt man mich mit Namen und der Fisch-Händler kennt meinen Lieblingsfisch. Wenn ich meinen Sohn von der Schule abholen will, gehe ich sehr rechtzeitig los - man weiß ja nie wen man so alles auf ein Schwätzchen trifft. Ich habe nie darüber nachgedacht, ob Eppendorf eigentlich meine Hood ist oder nicht. Wenn meine Freundin Steffi es aus dem angesagten Ottensen in meine Gegend verschlägt, hat sie das Gefühl, sie fährt von SoHo in die Park Avenue. Ich habe das nie so betrachtet. Für mich war Eppendorf einfach das Dorf in der Stadt wo meine Firma ansässig ist bzw. war und meine Familie lebt. Es hat eine gute Distanz zum Flughafen und auf der kleinen aber feinen Flaniermeile bekomme ich alles was ich brauche.

Natürlich ist das Karolinen-Viertel cooler, St. Georg schräger und Eimsbüttel etwas normaler. Aber was genau heißt schon normaler? Schläft dort der Nachbar nicht mit der besten Freundin? Das kommt doch in den besten Familien-Vierteln vor. Darüber spricht man selbstverständlich nicht öffentlich – höchstens unter der Dusche im Club an der Alster im benachbarten Harvestehude. 

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In Eppendorf kennt man sich, da schlendern morgens gut situierte Frührentner zu „Gaues“ um die knappen Dinkel-Ciabatta zu reservieren. Bei „Yomaro“ treffen sich Schüler mit dem Taschengeld eines Mini-Jobbers aus der Hegepenne zum Joghurt-Eis mit Toppings. Im Elbgold von 9-10:30 Uhr treffen sich Chefs oder Freiberufler mit Gleitzeit auf einen Flat White mit Hafermilch. Als neulich im Elbgold der Barista meine Tochter fragte wie denn die Chemie-Arbeit war, wusste ich plötzlich, wo ihr Essensgeld für die Schulkantine hinwandert und warum sie neuerdings (ganz uncool) nach einer Stullen-Box verlangt. Um die leckeren Bagel mit Lachs anschließend wieder ab zu trainieren braucht die Eppendorferin nur über die Straße zu gehen: Bei Hicycle - der Cardio Party aus New York lassen sich alle Food-Sünden spielerisch abtrainieren. Ach so ja, und SoSUE Hoodies long gibt’s da jetzt auch:)

New York in Eppendorf: Hicycle - Schwitzen auf dem Indoorbike zu hippen Beats

New York in Eppendorf: Hicycle - Schwitzen auf dem Indoorbike zu hippen Beats

Aber die Pennäler sind überall. Wichtig: Niemals der Versuchung unterliegen mittags bei Edeka einzukehren: da stehen die Pubertiere mit abgepackten Sushi-Rollen an. Besser man geht kurz vor Ladenschluss, dann kann man wunderbar an der Fleischtheke mit bärtigen Single-Männern flirten, die einem sogar die Einkäufe bis vor die Tür tragen. Oder man lauscht vor dem Kühlregal Akademikern wie sie über die politische Weltlage lamentieren, jetzt wo ihre Kinder das Auslandjahr in England oder USA absolvieren. Ich lausche gern meinen Nachbarn und sauge Bilder und Begegnungen ein. Bei „Heymann“ genieße ich es mit den Buchhändlerinnen über ihre Empfehlungen zu plaudern. 

Nochmal schnell zu Linette, fragen ob die „Dries-van-Noten-Blusen“ endlich da sind oder bei „Frl. Schumacher“ checken wie sich die neue SoSue Kollektion verkauft und eventuell Sneakers shoppen. Gegenüber verspricht mir „Was wir wirklich lieben“ „eine Fahrt ins Grüne“ – das ist ein sündhafter teurer Smoothie mit Gurke und Brokkoli. Ja, auch Eppendorf hat in Sachen Superfoods aufgerüstet und es spricht sich schnell rum, dass es im Reformhaus am Eppendorfer Baum jetzt auch die gehypte Hafermilch von „Oatly“ gibt (die, die so schön schäumt) mit der Folge, dass doch tatsächlich eine Verknappung herrscht. Ebenso wie von Kamut-Penne (Nudeln aus Sommerweizen), glutenfreie Haferflocken „Bauck“ und hochprozentigem Manuka-Honig. Also wissen wir jetzt was in Eppendorf auf dem Tisch kommt. 

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Bleibt die Küche kalt, trifft man sich sonntags im „Positano“ oder mit Kindern zum frühen Dinner im Block Haus Pöseldorf (immer mit Reservierung!). „Double income, no kids“ shoppt an Wochenden bei Butter Lindner und speist im Edel-Italiener „Cantuccio“. Appetit auf Sushi? Dafür ist das „Maral“ gerade gut genug. Besser noch: Das „Ono“ von Steffen Henssler.

Bei „Room 26“ findet man die Eppendorfer Einrichtung und auch bei „Octopus“ wird gelegentlich geshoppt. Für Kinder (Eppendorf ist nach Berlin Kreuzberg der Kinderreichste Stadtteil Deutschlands) liefern sich „Little Foshi“, „Taca Tuca“ und das „Kinderkaufhaus“ in der Hegestrasse einen erbitterten Wettbewerb. Ich weiß nicht, was gerade auf Eppendorfs Spielplätzen gesprochen wird. In Berlin wird gern mal über die Rolle der Frau im sozialistischem Deutschland philosophiert ... .

In Eppendorf wird kein Kinderwagen vor der Tür geklaut und trotzdem lässt niemand sein Kind auch nur eine Minute unbewacht. Alles Supermoms und Spätgebärende, die ihr Kleines als ihr größtes Glück betrachten. Sei es ihnen gegönnt und mit ein wenig Wehmut denke ich an diese unbekümmerte Zeit mit Kinderwagen und Latte in der Hand zurück. Damals trugen wir alle Woolrich-Parka. Das ist heute politisch unkorrekt. Jetzt sind mehr Individualisten am Werk. Einziges Erkennungszeichen der Mutti-Fraktion: Acne Mütze und Windel-Beutel-Tasche mit Herz von „LalaBerlin“ for Anita Haas. Da gibt es auch Barbara Sturm Kosmetik und das hip Label „Nili Lotan“ aus NYC. Bei Petra Teufel im Keller gibt es die angesagten Designer der Stunde: Balenciaga, Vetements, Y-Project oder Off-White und die wunderbare Claudia, die ihre Kunden extrem gut im Griff hat.

Foto: Petra Teufel

Foto: Petra Teufel

In dem Milli-Store verschlägt es zuweilen sogar das Style-Unabhängige Eimsbüttel um das Label-Hype Ganni zu feiern. Im Vau gibt es tolle Handygadgets und in LOVE it selbstproduzierten Kaschmir aus China. Was der Mini-Market in der Schanze ist, ist LOVE it für den Eppendorfer: Schöner Schnickschnack, der später wieder auf dem berühmten Eppendorfer Landstraßenfest zu gepfefferten Flohmarktpreisen wieder den Besitzer wechselt.

Ach, ihr merkt, irgendwie pflege ich ambivalente Gefühle zu Eppendorf – dabei kann ich das gar nicht so genau definieren ... ich weiß nur, dass ich dieses Jahr wegziehe. Mehr Richtung Kellinghusen-Straße – das ist ein kleiner Schritt in Distanz  - aber ein großer Schritt für meinen neues Ich. Ich habe Lampenfieber und bin gespannt, wie es sich am Ende der Eppendorfer Landstraße angeht. Vermutlich werde ich einfach nur aus einer anderen Himmelsrichtung in wieder in denselben Geschäften landen. Aus der Distanz wird Heimat ja noch mal viel schöner. I keep you posted!

Hose:  SOSUE ; Schal:  Acne , Stiefel:  Isabel Marant , Tasche:  Chloé

Hose: SOSUE; Schal: Acne, Stiefel: Isabel Marant, Tasche: Chloé


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