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Frauen helfen Frauen WFWI - jetzt auch in Deutschland aktiv

InterviewSue GiersComment

Frauen helfen Frauen. Women for Woman International - kurz WfWI hilft Frauen in Krisen- und Kriegsgebieten. Moralisch aber vor allem auch Praktisch. Frauen, denen durch Krieg und Zerstörung alles genommen wurde, hilft diese non-provit Organisation wieder auf die Beine zu kommen, damit sie ein selbstbestimmtes Leben führen können. Also Hilfe zur Selbsthilfe! Die Organisation, 1993 von Zainab Salbi - einer Amerikanerin mit irakischen Wurzeln wurde gegründet, will Frauen in den schwersten Krisengebieten eine neue Perspektive geben. Nach Washington, dem Headquarter und London, gibt es jetzt auch eine Dependance in Hamburg. Wir wollen euch den WfWI vorstellen und motivieren mitzumachen. Mit nur 29 Euro im Monat könnt ihr ein ganzes Leben verändern. Preeti Malkani ist eine Mitgründern des WFWI und sie erklärt uns heute im Interview, warum das eine tolle Sache ist:

Mitgründerin Preeti Malkani

Mitgründerin Preeti Malkani

Wie haben Sie von WfWI erfahren?
Vor 4 Jahren durch einen Artikel in einer britischen Zeitschrift. Es ging dabei um die Lebensgeschichten von 2 Frauen, Miriana aus Nigeria und Hava aus Afghanistan. Zwei Frauen an unterschiedlichen Enden der Welt, die aber ein gemeinsames Schicksal teilten – Frau zu sein in einem Kriegsgebiet. Und die es geschafft haben, Dank der Unterstützung von WfWI ein neues Leben aufzubauen.

Was hat Sie daran so beeindruckt?
Diesen beiden Frauen sind zahlreiche traumatische Erlebnisse wiederfahren – sie wurden von Soldaten mehrfach vergewaltigt, haben Kinder, Geschwister und Ehemänner verloren und mussten jeden Tag um ihr Wohlergehen fürchten. Dennoch blieb die Hoffnung, dass sie ihr Leben und das ihrer Kinder trotz der Umstände verändern können.

Und dann las ich von der für mich bis zu dem Zeitpunkt unbekannten Organisation WfWI, die in diese Hoffnung investierte und den Frauen die Hand gereicht hat, um ihnen zu sagen. „Wir glauben an dich und an deine Fähigkeit, dein Leben mit der richtigen Unterstützung zu verändern!“ Eine Unterstützung, die in den letzten 20 Jahren bereits erprobt ist und die weltweit über 490.000 Frauen geholfen hat, ihr Leben zu verändern, ihre Gesundheit zu verbessern, an der Gemeinschaft teilzunehmen, ihr Selbstvertrauen zu stärken und ein Einkommen zu erwirtschaften. Dabei hat mich insbesondere der sehr simple und zugleich intelligente Ansatz dieser Hilfe zur Selbsthilfe fasziniert. Ich habe direkt zum Hörer gegriffen, im Londoner Office angerufen und mich dafür eingesetzt, WfWI in Deutschland aufzubauen.

Sie waren mit WfWI in Bosnien und Ruanda. Was haben Sie dort erlebt?
Vor beiden Reisen habe ich mich nochmals intensiv mit der Geschichte und dem Genozid in den jeweiligen Ländern auseinandergesetzt. Während des Völkermordes in Ruanda in 1994 beispielsweise wurden in weniger als 100 Tagen schätzungsweise 800.000 Menschen auf grausame Weise hingerichtet und 500.000 Frauen vergewaltigt. Rund 70 Prozent der Bevölkerung Ruandas waren nach dem Völkermord weiblich, die – traumatisiert von den schrecklichen Verbrechen – vor dem Nichts standen. Und auch in Bosnien standen die Frauen nach dem Auflösen der sog. Rape Camps vor dem Nichts. Und Bosnien ist nicht so weit von uns entfernt. Die Frage, wie man jemals wieder Hoffnung und Zuversicht nach dem Erleben solcher Gräueltaten gewinnen kann, beschäftigt mich sehr. Und gerade deswegen war ich überwältigt von der Zuversicht und positiven Kraft der Frauen, die ich in den Ländern kennenlernen durfte! Und ich habe tiefen Respekt vor jeder dieser Frauen, die es geschafft hat mit etwas Unterstützung ihr Leben wiederaufzubauen.

Warum glauben Sie, dass diese Organisation wichtig sein könnte für Deutschland?
Deutschland ist eines der wichtigsten und stärksten Länder Europas, an dem man meines Erachtens bei so einem wichtigen Thema nicht vorbeikommt. Hinzu kommt, dass wir gerade in den letzten Jahren sehr direkt mit dem Thema Krieg und seine Auswirkungen konfrontiert worden sind und eine verstärkte Auseinandersetzung in der Gesellschaft mit diesem Thema stattfindet. Es besteht ein großer Wunsch, nach Lösungsansätzen zu suchen.
Will man ein Land wieder stabilisieren, so ist es wichtig in Frauen zu investieren. Denn Frauen sorgen am Ende dafür, dass Familien und Gesellschaften funktionieren.

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Wie und wo setzt sich WFWI ein?
Women for Women International bietet ein gestaffeltes Jahresprogramm – das „Sponsor a sister-Programm“ – das mit direkter finanzieller Hilfe und psychologischer Unterstützung beginnt: Teilnehmerinnen lernen ihre gesetzlichen Rechte kennen, sie erhalten eine Ausbildung zu Gesundheitsfragen, Rechnen, Buchführung und Sparen; ein Kompetenztraining für Entscheidungsfindungen, zu Verhandlungstechniken und zur Bürgerbeteiligung. Ihnen werden Berufskenntnisse vermittelt und sie bekommen Zugang zu einkommenssichernden Arbeiten, wo sie die gelernten Fähigkeiten anwenden und so zu ökonomischer Stabilität gelangen können.

WfWI ist derzeit in 8 Ländern tätig: Afghanistan, Bosnien und Herzegowina, Demokratische Republik Kongo, Irak, Kosovo, Autonome Region Kurdistan, Nigeria und Ruanda.

Kann man zu seiner „Sister“ auch Kontakt aufnehmen?
Das ist nicht nur möglich, sondern auch ausdrücklich gewünscht! Der direkte Kontakt ist sehr wertvoll. Zu wissen, da draußen in der Welt ist jemand, der wirklich an mich glaubt, bedeutet den Frauen sehr viel. Bei meinen Besuchen in Ruanda und Bosnien hatte jede Frau, die ich kennenlernte, auch nach vielen Jahren noch die Briefe ihrer Sister – das war sehr berührend.

Was geschieht nach Ablauf des Programms mit den Frauen?
Wir bleiben zwei Jahre lang mit ihnen in Kontakt, um unsere qualitativen Ergebnisse zu erfassen. Wir fördern auch einige Frauen mit Fortbildungen, z.B. für unser „Change Agent“- Programm. Frauen, die an „Führungsaufgaben“ interessiert sind, werden zu den Stimmen anderer Frauen in ihrer Gemeinschaft. Sie identifizieren die schlimmsten Umstände, die Frauen zurückhalten sich zu entwickeln, und arbeiten an Lösungen für Veränderungen – sie haben eine Vorbildfunktion für die Menschen in ihrer Umgebung.

Wird auch mit den Männern vor Ort gearbeitet?
Die Einbeziehung von Männern ist ein wichtiger Faktor für unsere Arbeit. Denn ihre Unterstützung ist gerade in stark patriarchisch geprägten Gesellschaften von großer Bedeutung. Wir gehen das aktiv an, verdeutlichen ihnen, wie wichtig die Rolle von Frauen in ihren Gemeinden ist und machen sie zu Verbündeten unseres Programms. Sehr schnell wird erkannt, wie die gesamte Gemeinde, die Familien und auch Männer hiervon profitieren. Geht es einer Frau gut, geht es auch der Familie gut.

Welche Ziele haben Sie kurzfristig?
Mission 100 – wir wollen es schaffen, dass bis Ende des Jahres einhundert Frauen am WfWI-„Sponsor a sister“-Programm teilnehmen können.

Und mittelfristig?
Mission 1000!
Wir möchten Women for Women International auch in Deutschland zu einer starken Marke aufbauen, mit Hilfe von starken Kooperationspartnern und Unterstützung guter Presse – wir möchten keine Gelder für Mailings und klassische Werbung ausgeben. Es ist unser Anliegen, dass gespendetes Geld wirklich bei den Frauen ankommt und wir die organisatorischen Kosten möglichst geringhalten – so wie es auch in UK erfolgreich praktiziert wird. Je mehr Menschen von unserer Arbeit und den positiven Entwicklungen erfahren, umso mehr Unterstützer finden wir hoffentlich schon bald. Denn jede Sister aus Deutschland verändert das Leben einer Sister aus einem unserer Länder – für immer.

WfWI hat zum Start in Deutschland schon eine prominente Unterstützung: Nadja Swarovski. Was verbindet sie mit WfWI?
Die Stärkung und Förderung von Frauen unterstützt die Swarovski Foundation bereits seit 2013. Darum ist es toll, mit Nadja Swarovski – als meinungsstarke sichtbare Persönlichkeit – eine so engagierte Frau für unsere Sache gewonnen zu haben.


Drei Frauen aus Hamburg: Tatjana v. Keller, Anna Fauth und Michaela Gerganoff gehören zum Leadership-Circle des WFWI

Tatiana v. Keller
Tatiana v. Keller ist seit 15 Jahre Marketing Directorin und Membership Relations Managerin der Hanse Lounge – ein privater Business Club, der zu den Top 10 der exklusivsten Clubs Deutschlands zählt. Mit viel Empathie und Fingerspitzengefühl leitet sie die Geschicke des Clubs, organisiert dort ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm und verfolgt engagiert ihr Ziel, dass sich die 950 Mitglieder im Club „home away from home“ fühlen können.

https://www.hanse-lounge.de

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Anna Fauth
Anna Fauth war 20 Jahre bei Springer & Jacoby als Art-Buyerin und Eventmanagerin tätig. Die Firma meldete 2010 Konkurs an und so hatte Anna die Wahl zwischen Arbeitslosigkeit und Wink des Schicksals. Sie entschied sich für Letzteres und gründete annaswerk. Zusammen mit ihren 4 Mitarbeitern konzipiert und organisiert sie heute lokale, überregionale und internationale Events. Privat und geschäftlich. Annas Credo lautet, Events eine Seele geben, womit sie sich einen namhaften Kundenstamm aufbauen konnte. 

annaswerk gilt als Geheimtipp für: Feste, die bleiben.
www.annaswerk.de

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Michaela Gerganoff
Michaela Gerganoff war jahrelang als Redakteurin und Ressortleiterin Mode für Frauenmagazine tätig. Die Mutter dreier Kinder entschied sich 2016, nicht mehr über die Medienkrise zu diskutieren, sondern mit einer Partnerin die Content Agentur Parola Media zu gründen. Mit dem Credo „Eine gute Story ist die beste Strategie“ bieten sie Unternehmen einen umfassenden Service von Beratung, Konzept, Redaktion und Texten bis zum Trendreport. 

www.parolamedia.com

Ricarda Landgrebe und Michaela Gerganoff

Ricarda Landgrebe und Michaela Gerganoff


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