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Mein Leben als Hund - Teil 2

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SoSUE Autorin Steffi Wilke führt ein Leben im Rudel. Hier auf SoSUE berichtet sie regelmäßig über ihr Leben mit ihren Vierbeinern. Der Serienstart ist eine Liebeserklärung an ihre Partner mit der kalten Schnauze.

Den ersten Teil “Hunde sind die besseren Mensche” lest ihr HIER


Die Mutter der Drachen
Im Heinepark hörte ich neulich eine Frau ihren cognacfarbenen Pudel „Kahleesi“ rufen. Ein Hund, benannt nach Deanerys Targaryen, der Drachenkönigin aus der Serie “Game of Thrones”, kurz: GOT? Behämmert! Wer nennt denn seinen Hund ausgerechnet Khaleesi? Tatsächlich kenne ich zwei. 

Die Pudeldame und unsere Khaleesi. Meine Tochter Greta hatte im Oktober 2015 den kompletten Wurf unserer Hündin mit den Namen der Helden dieser Serie ausgestattet. Schließlich mussten wir die 9 Welpen irgendwie auseinanderhalten. Es sollten die Geburtsnamen sein, bis die neuen Besitzer ihnen Ruf-Namen gaben. Einige blieben sogar dabei und so gibt es heute noch immer einen Jon Schnee, einen Robb Stark und unsere Khaleesi. Robb Stark trägt sogar das Wappen von Winterfell als Plakette, toller Hund!

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Khaleesi, die Mutter der Drachen, macht ihrem Namen alle Ehre. Sie stapft auf etwas zu kurzen Beinen durchs Leben. Sie ist hochsensibel und gleichzeitig sehr angriffslustig. Sie ist immer etwas drüber, dafür sieht sie aber hübsch aus und ist zu ihren Gefolgsleuten stets milde und gütig. Sie unterhält einen Hof-Stab, dazu zählen: eine Zofe (ich), eine Hundetrainerin, eine Heilpraktikerin und eine Tierärztin, die sie bereits wegen eines angeborenen, schmerzhaften Gelenkleidens mit Gold akkupunktiert hat. Richtig, ein kleines Vermögen. Hundebesitzer werden an dieser Stelle zustimmend nicken – das kleineste Aua und wir sind bereit, für unsere Vierbeiner die Kreditkarte zu zücken.

Ab und an schnappt Khaleesi etwas über: Dann verfolgt sie in einem Affenzahn Radfahrer, kreist spielende Kinder ein, erschreckt Schwimmer in der Elbe und springt auf Bäume, um Eichhörnchen zu jagen. Zuhause klaut und frisst sie eingepackte Butter vom Tisch. Sie zerkaut Buntstifte in Kleinstteile, bei dieser kreativen Beschäftigung bevorzugt sie die Farben Rot und Rosa, Blau und Grün beißt sie nur in zwei Hälften. Dieser Hund ist plemplem! Und schwer vermittelbar. Auch deshalb haben wir insgesamt drei (!) Hunde. Eigentlich wollten wir nur ein Mädchen aus dem Wurf behalten. Unsere Brienne von Tarth, die ist anmutig, laut und treu im Gemüt. 

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Khaleesi war zunächst einer Frau versprochen. Mich beschlichen jedoch rasch Zweifel, als ich beobachtete, welches Temperament die Nummer 10 aus dem Wurf entwickelte. Stets etwas hysterisch und immer angriffslustig mischte Khaleesi regelmäßig ihre fünf Brüder auf. Sie war immer die Erste, die aufwachte und die Letzte, die einschlief. Schon als Welpe brauchte sie sehr viel Zuwendung und Einrahmung. Hatte sie zulange im Geburtskanal warten müssen? Immerhin waren es sieben Stunden von Welpe 1 (Ygritte, leider starb sie bei der Geburt) bis Welpe 10 gewesen. Sie war jedenfalls die einzige des Wurfs, die, nachdem sie aus der Fruchtblase befreit war, lautstark meckerte. Bis heute ist das so geblieben.

 Und ich dumme Nuss habe sie dieser Frau nicht gegeben. In der Retrospektive ein Fehler. Aber „es fühlte sich falsch an“. Und ich musste lernen: Nur weil sich im Leben etwas besser anfühlt (also Khaleesi nicht abgeben) ist es noch lange nicht die richtige Entscheidung. Warum? Diese Frau entpuppte sich als tadellose Hundehalterin mit kleinem Landsitz. Ideal für die übergeschnappte Drachenkönigin. Aber ich konnte sie seinerzeit nicht loslassen. Wollte auf den perfekten Hundemenschen warten, vermutlich auf einen Schafshirten in Ritterrüstung, „the perfect match“ für das schwierige und ja, auch liebgewonnene Hundekind. So wurden in meinem bescheidenen Haushalt aus zwei geplanten Hunden drei. Zwei mal habe ich dann noch Khaleesi an erfahrene Hundemenschen abgegeben – zweimal kam sie wieder zurück. Und verlangt mir seither sehr viel ab. 

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So musste ich mich, aus der gewohnten Komfortzone heraus, hinein in das Feld der komplizierten, schwer erziehbaren Hunde wagen. Menschen, die mit schwierigen Hunden umgehen, wissen was ich meine. Es erfordert Know-how, Geduld, Konsequenz, um so etwas zu meistern. Auf der Hundewiese bin ich oft die „haben Sie ihren Hund nicht im Griff?“-Idiotin. So müssen sich Eltern von verhaltensauffälligen Kindern fühlen. Ich gehe jetzt anders mit komplizierten Lebewesen um. Ob mit zwei oder vier Beinen. Ich versuche zu verstehen. Ich versuche zu vertrauen. Ich habe im wahrsten Sinne des Wortes meine innere und äußere Haltung verändert. Denn ich muss sehr aufrecht sein und meine Stimme muss überzeugend klingen, damit mich die irre Königin als „ihre Hand“ akzeptiert.

Khaleesi gehorcht mittlerweile richtig gut. Ich habe sie „lesen gelernt“. Wenn sie einen guten Tag hatte, hatte ich auch einen. Denn was ein-lassen bedeutet, habe ich auch durch sie noch besser kapiert. „You GOT to walk the talk.“ 


Über den Autor:
Die Autorin Stefanie Wilke ist 1964 auf Sylt geboren, dort war es damals ganz schön wild. Sie ist am Strand unter Piraten aufgewachsen. Heute lebt sie in Hamburg und hat Magazine wie AMICA, Allegra, Emotion und enorm mit Ideen und Texten begleitet. Aktuell arbeitet sie als Texterin in einer Agentur. Das Schreiben über Psychologie und die Liebe zählt zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. 

Autorin Stefanie Wilke

Autorin Stefanie Wilke


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