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Mein Leben als Hund - Teil 3

JournalStefanie WilkeComment

SoSUE Autorin Steffi Wilke führt ein Leben im Rudel. Hier auf SoSUE berichtet sie regelmäßig über ihr Leben mit ihren Vierbeinern. Der Serienstart ist eine Liebeserklärung an ihre Partner mit der kalten Schnauze.


Persönliche Seiten
Beim Tierarzt sah ich einen Mann der seinen Hund küsste. Das Tier war mittelgroß und saß auf dem Schoß des Mannes. Der Mann trug einen gepflegten Vollbart und Designerkleidung und sah nicht aus wie ein Mann, der seinen Hund küsst. Der Hund hatte Angst. Der Mann war besorgt. Er liebte das Tier, das war leicht zu erkennen.

Manchmal bin ich zu Tränen gerührt, wenn ich realisiere wie sehr Menschen ihre Hunde lieben. Beispielsweise kochen sie für ihre Tiere Doktor-Moros-Möhrensuppe, wenn die Hunde Bauchweh haben. Oder sie verlassen wichtige Arbeitsbesprechungen, um nach Hause zu rasen, weil die Putzfrau meldet, der altersschwache Mops habe Atemprobleme. Sie nähen hypo-anti allergene Kissen für die Schlafplätze ihrer Tiere. Sie zahlen ein kleines Vermögen für Hunde-Kindergärten in denen ihre Schätze tagsüber von gut ausgebildeten Trainern, Psychologen und geschulten Dog-Walkern betreut werden. Inklusive Ruheräume für den Mittagsschlaf und Ausflüge in den stadtnahen Wald.

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Ob ich meine drei Hunde küsse? Aber ja. Auf die Krone ihrer Köpfe. Ich schnuppere auch an meinen Hunden, ich mag den gemütlichen Geruch ihres Fells und besonders den ihrer Pfoten, die Ballen riechen nach gekochtem Reis. Hunde, die stinken bekommen schlechtes Futter, ansonsten riechen sie sehr reinlich. (Es sei denn, sie wälzen sich in Aas, aber das kommt glücklicherweise nicht allzu häufig vor.)

Ich beobachte gern meine schlafenden Tiere, dabei werde ich ganz ruhig und entspannt. Wenn sie ausreichend Bewegung haben, schlafen Hunde viel. Sie liegen dann an ihren bevorzugten Plätzen und haben dabei individuelle Gewohnheiten. Meine dreijährige Hündin Eddie kringelt sich ein wie eine Katze, vorzugsweise auf dem Sofa. Bei Wärme liegt sie lang ausgesteckt auf dem Holzboden. Ihre Mutter Juli schlummert grundsätzlich in ihrer ausgepolsterten Koje und schnarcht leise oder träumt geräuschvoll. Eddies Schwester Khaleesi platziert sich heimlich auf Bettdecken und legt dabei den Kopf aufrecht zwischen ihren Pfoten ab, immer eine Spur wachsam. Oder sie liegt auf dem Rücken, alle Viere senkrecht ausgestreckt und gegen die Wand gelehnt. 

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Wenn ich schlafen gehe, nehmen meine drei Gefährtinnen ihre Nachtplätze ein, und sie rühren sich erst wieder, wenn ich morgens aufwache. Meine Haustür ist nie abgeschlossen, gelegentlich hängt sogar der Schlüsselbund außen. Oft laufe ich noch spätabends durch den Park, die Lichter an den Halsbändern meiner Hunde leuchten, sie scheuchen Kaninchen, ich jage meinen Gedanken nach und sollte sich mir je jemand mit schlechten Absichten nähern, wäre meine „squad“ sofort zur Stelle.

Ich fühle eine starke Verbundenheit zu meinen Tieren. Eine Verbundenheit, die ich mit denen zu Menschen nicht vergleichen kann und nicht vergleichen möchte. Ich las vor kurzem einen Spruch, der das gut erklärt:

Anspannung ist, wer du glaubst sein zu müssen.

Entspannung ist zu sein, wer du bist. Lerne zu sein.

In der Gegenwart von Tieren bin ich überwiegend entspannt. Schon als Kind suchte ich die Nähe zu Tieren.

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In der Gegenwart von Hunden zeigen Menschen oft wer sie sind, was sie im Kern ausmacht. Das bezieht sowohl die charakterlichen Vorzüge als auch die neurotischen Seiten mit ein. In der Tiefe der Betrachtung sind unsere Hunde ein großartiger Spiegel für uns, gelegentlich sogar ein Korrektiv. Erfahrene Hundepsychologen und Trainer haben die Gabe im Nullkommanichts zu erfassen was am anderen Ende der Leine so abgeht – bei den Zweibeinern. 

Mit meinen Hunden übe ich täglich liebevolle Klarheit bei gleichzeitiger Berücksichtigung von Außeneinwirkungen und Charakter meiner Vierbeiner und meines eigenen vielschichtigen Wesens. Mit Außeneinwirkung meine ich beispielsweise andere Hundebesitzer, die mich gelegentlich anschreien. Wie etwa heute früh an der Elbe, weil ich es wagte, meine läufige Hündin an der Leine spazieren zu führen, und ein männlicher Hund ihr nachsetzte. Das Frauchen des Rüden fühlte sich in der Position, mich dafür als „asoziale Schlampe“ zu beschimpfen. Ich blieb ruhig und fragte sie, ob ihrer Meinung nach Eddie eine Hunde-Burka tragen sollte. Meine Bemerkung schien sie zu provozieren „lass dich hier nicht blicken wenn sie läufig ist“ verstärkte sie ihre territoriale Ansicht, wir waren jetzt schon beim DU. Derweil winselte und sabberte der Rüde aufgeregter als Frauchen. Da war einiges in Gange.

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Hündinnen sind alle 8 Monate läufig, für nicht kastrierte Rüden eine Gelegenheit, ihren starken Sexualtrieb zu zeigen, vollkommen natürlich. Unter Hundebesitzern kann man da ganz toll üben wie unterschiedliche Interessen-Lagen sozial verträglich geregelt werden können. Wenn ich die Dame morgen wieder treffen sollte, schreie ich vielleicht zurück. Oder ich lasse dmein Flittchen Eddie von der Leine. Mal sehen, wie ich ticke. Könnte sein, dass wir uns von unserer besten Seite zeigen werden (...)


Über den Autor:
Die Autorin Stefanie Wilke ist 1964 auf Sylt geboren, dort war es damals ganz schön wild. Sie ist am Strand unter Piraten aufgewachsen. Heute lebt sie in Hamburg und hat Magazine wie AMICA, Allegra, Emotion und enorm mit Ideen und Texten begleitet. Aktuell arbeitet sie als Texterin in einer Agentur. Das Schreiben über Psychologie und die Liebe zählt zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. 

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