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Verhaftet

Leben, Psych To GoContributorsComment
“…Mein neuer Partner war offiziell einige Jahre getrennt lebend, aber er sprach auffallend häufig und obendrein nicht freundlich über seine Exfrau….”

“…Mein neuer Partner war offiziell einige Jahre getrennt lebend, aber er sprach auffallend häufig und obendrein nicht freundlich über seine Exfrau….”

Was ist, wenn dein neuer Freund nicht von seiner Ex loskommt? Eine Geschichte über eine komplizierte Dreierbeziehung.

Wie geschieden ist dein neuer Mann?

Betrachten wir zunächst das Positive: man verliebt sich in einen Mann, der in Trennung lebt. Das setzt voraus, dass man über seine Vorgängerin informiert wurde. Möglichst nicht erst nach zwei Monaten. Ein ehrlicher Mann also, der die Dritte im Bunde, also die Ex, nicht verschweigt.

Mein neuer Partner war offiziell einige Jahre getrennt lebend, aber er sprach auffallend häufig und obendrein nicht freundlich über seine Exfrau. Bei seinen dramatisch ausgeschmückten Erzählungen über das Scheitern der Partnerschaft schien es seinen Anteil nicht zu geben. Die Geschiedenen waren Eltern einer inzwischen volljährigen Tochter. Wenn sie ihren Vater besuchte, bekam Daddy in meinem Beisein einen Kuss auf den Mund und sein Schoß wurde demonstrativ eingenommen. Das waren Bilder, die mich irritierten. Zunächst schob ich sie beiseite, ich war sehr verliebt in diesen Mann. Statt meiner Bilder im Kopf hätte ich lieber die Tochter vom Vater-Schoß schieben sollen.

“……Ich war die Geliebte, ich war die Therapeutin und Klagemauer des Systems, ich hatte jedoch keine nachhaltige Stellung…”

“……Ich war die Geliebte, ich war die Therapeutin und Klagemauer des Systems, ich hatte jedoch keine nachhaltige Stellung…”

In der Familie meines neuen Partners wurden ausnahmslos alle Familienfeste gemeinsam gefeiert, inklusive Weihnachten; was bedeutete, dass ich die ersten zwei Jahre unserer Beziehung unter dem Weihnachtsbaum seiner Eltern saß – im Beisein seiner Exfrau und der Tochter. Die Rituale der Ursprungsfamilie schienen zementiert. Wenn ich ihm vorschlug, auch mal anders zu feiern, kippte die Stimmung zwischen uns. Ich begann, die regelhaft anberaumten Zusammenkünfte zu meiden und erfand Ausreden für mein Fernbleiben. Dass ich mich eigentlich nach einem klaren Bekenntnis zu mir und eigenen Beziehungs-Ritualen sehnte, fiel unter den Tisch. Mir wurde klar, dass mein neuer Mann im alten Beziehungsgeflecht verhaftet war. Diese Tatsache hat auch dazu beigetragen, dass ich mich immer mehr zurückzog. Es wurde immer grotesker und gipfelte darin, dass er mich bei der Planung seines Geburtstages in einem Restaurant fragte, ob ich „dazu kommen wollte“. Gemeint war: zu seiner Tochter und seiner Ex.

Ich befand mich stets in Konkurrenz zu zwei Frauen. Zwei Frauen, an denen er zu jeder Gelegenheit etwas auszusetzen hatte. Langsam begann ich mir auszumalen, wie er wohl mit ihnen über mich sprach. Es ärgerte mich sogar, dass ich maßgeblich dazu beigetragen hatte, dass die Eltern weites gehend erwachsen über die Belange der Tochter sprechen konnten. Ich war die Geliebte, ich war die Therapeutin und Klagemauer des Systems, ich hatte jedoch keine nachhaltige Stellung.

Beim dritten anstehenden Weihnachtsfest bei dem im Vorfeld die Stimmung gewohnt angespannt war ließ ich die Situation eskalieren: Ich wollte ohne seine mittlerweile 23-jährige Tochter feiern, ohne seine Eltern und ohne seine Ex. Er trug irritiert zahlreiche Argumente vor warum so ein Szenario ausgeschlossen sei. Hellhörig machte mich die Aussage, man könne doch den Vater nicht mit der „schrecklichen Mutter“ alleine lassen. Die Dominanz seiner Mutter war nicht zu leugnen. Es stand nun drei gegen eins: Mutter, Ex und Tochter gegen die Neue. Wir trennten uns kurz nach Neujahr.

 (Die Autorin möchte nicht genannt werden)

 

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